Berlin : Sommer: Hundstage

kf

Man kennt es ja. Kaum ändert sich das Wetter, fahren die Leute wie verrückt. Die einen verträumt, andere orientierungslos oder aggressiv. Seitdem das Hoch "Fabiola" die Stadt im Griff hat, quietscht und hupt es auch wieder öfter auf den Straßen. "In der Wissenschaft gilt dies nicht als ernsthaftes Dauerthema", sagt Franz Schibalski, Verkehrspsychologe beim ADAC. Schibalski selbst nennt sich ein Freund der Hitze, weiß aber auch um die Klagen des anderen Teils der Menschheit. "Die nehmen ihren Leidensdruck dann eben mit ins Auto."

Und nordische Naturen werden weiter leiden, unter der Hitze, dem Schweiß und dem Durst. Die heißen "Hundstage" (23. Juli bis 23. August) sollen laut Wetterdienst Meteofax anhalten. Ihren Namen haben sie übrigens vom Hundsstern Sirius, in dessen Nähe die Sonne derzeit steht. Schon die alten Griechen schrieben der Konstellation die eintretende Hitze zu. Ideales Wetter zum Baden, Sonnen und Ausspannen. Lukrative Zeiten für Eisverkäufer und Biergartenbesitzer.

Wer sich umhört, merkt aber schnell, dass die Berliner der Hitze besser trotzen als gedacht. "Es gibt keine erhöhten Unfallzahlen", heißt es bei der Polizei. "Die Zahl der gemeldeten Notlagen ist nicht ungewöhnlich", meldet die Feuerwehr. Denn "Fabiola" ist ein freundliches Hoch, zwar sehr warm, aber trocken. Und das können selbst alte Leute, die oft unter Kreislaufproblemen leiden, ganz gut verkraften.

Gefährlich lebt derzeit Karl-Heinz Richter. Denn der uniformierte Portier steht im KaDeWe im Luftstrom der Klimaanlage. Die erste Erkältung schon im Anflug? Richter winkt ab. "Ich habe längst den Dreh raus, wo man stehen muss." Der Mann schaut in viele erleichterte Gesichter: Wenn die Fußgänger, die Wangen rot und glänzend, auf der Tauentzienstraße ausscheren, um das Kaufhaus zu stürmen. Eigentlich eher eine Flucht. "Die sind froh, dass sie eine Abkühlung bekommen." Und noch eine Beobachtung konnte der Portier auf seinem Posten machen: Die Velo-Taxis haben hier derzeit einen "enormen Zulauf".

Spötter meinen ja, das Wetter sei ein Zustand, der gelegentlich durch eine Vorhersage bestätigt wird. Langzeit-Meteorologe Rainer Dettmann hatte offenbar die Nase im Wind. Dem Tagesspiegel sagte er einen wechselhaften Juli mit viel Regen, Kälte und Hitze voraus - und hatte Recht. Dem Tagesspiegel sagte er aber auch einen heißen August und September voraus - möge er Recht behalten.

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