Berlin : Sommer-Plagen (1): Die Nacktschnecke

I.B.

Sie sind wahre Schleimer, mit einer rotbraunen oder schwarzgrauen Tarnfarbe bedeckt und sie verabscheuen das Sonnenlicht: Nacktschnecken. In diesem Jahr sind sie massenhaft in die Beschaulichkeit der Berliner Schrebergärten und (Hochparterre-) Balkone eingebrochen. Kein Wunder, denn das Jahr 2001 bot den kriechenden Wesen bisher hervorragende Entwicklungschancen. "Der vergangene Winter war zu mild und das Frühjahr sehr feucht", sagt Maria Andrae vom Pflanzenschutzamt. Besonders wohl in unseren Breiten fühlt sich die Spanische Wegschnecke. Die rotbraune Nacktschnecke kam als illegaler Einwanderer in Salatkisten versteckt Anfang der 70er Jahre aus dem Mittelmeerraum zu uns. Und während sie im heißen Süden von der Trockenheit in Schach gehalten wurde, vermehrt sie sich im milden, feuchten Klima Mitteleuropas geradezu explosionsartig.

Derzeit ist es zwar ein wenig zu trocken für die Schleimbolzen, doch der Tau, der in den Morgenstunden an den Pflanzen glitzert, lässt sie auftanken. Deshalb sind morgens besonders viele von ihnen unterwegs, kleben an Gartenstühlen und glitschen über Terrazzo-Platten. Die Hitze des Tages überstehen sie in Hohlräumen am Boden und unter dichten Pflanzen. Nacktschnecken haben einen mörderischen Appetit. Eine einzige kann in 24 Stunden 100 Quadratzentimeter Blattfläche vertilgen. Gegen die gefräßigen Angreifer helfe nur die chemische Keule, meint die Schneckenexpertin vom Pflanzenschutzamt. "Das handelsübliche giftige Schneckenkorn lässt die Tiere vertrocknen und ist bei sachgerechter Anwendung für Säugetiere unschädlich." An einer biologischen Bekämpfung durch Fadenwürmer werde gearbeitet.

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