Berlin : Sommer-Schluss-Genuss Taxi-Innung will offensiv gegen Betrüger vorgehen

So golden, der Oktober: Temperaturen klettern auf mehr als 20 Grad Passend zum Wetter steigt in Berlin die Europa-Eis-Meisterschaft Abzocker von Fahrgästen gehen meist straffrei aus Allein dieses Jahr wurden 120 Verfahren eingeleitet.

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Sonniges Gemüt. Spätsommer im Oktober, das nutzen viele für einen Ausflug. Noch mal durchatmen, bevor es kalt und grau wird. Foto: dpa
Sonniges Gemüt. Spätsommer im Oktober, das nutzen viele für einen Ausflug. Noch mal durchatmen, bevor es kalt und grau wird. Foto:...Foto: dpa

Giovannino Fittipaldi schnalzt mit der Zunge. Gutes Eis, sagt der Italiener und streicht sich über seinen dicken Bauch, gutes Eis also, nicht das aus dem Supermarkt, sondern echtes italienisches Gelato – sei einfach zu erkennen. „Molto facile“, sagt der Lehrmeister der Academia della Gelateria Italiana und rückt in der Küche des Berliner Steigenberger Hotels nah an seinen Zuhörer heran: Von gutem Eis isst man eine Kugel, brummt Fittipaldi, und dann will man noch eine und noch eine und noch eine. „La bellezza del gelato“, die Schönheit der Eiscreme, schwärmt der Italiener und steckt sich einen Löffel gelb leuchtendes Mango-Eis in den Mund. Passt perfekt zum „fare bello“, zum schönen Wetter in der Stadt.

Der Sommer ist zurück in Berlin und Brandenburg, goldener Oktober. Am Donnerstag kletterte die Anzeige in den Thermometern auf 21 Grad. Am Wochenende könnten in einigen Stadtteilen sogar 25 Grad erreicht werden. Meteorologisch gesehen wären das Sommertage. Dabei hatten sich viele doch schon längst von der wärmsten Jahreszeit verabschiedet, die Sommerklamotten tief im Schrank verstaut, den Wintermantel aus der Reinigung geholt.

Und nun schlendern über den Kurfürstendamm Männer in T-Shirts an Plakaten vorbei, auf denen sich Models in Pelzmäntel schmiegen. Die Stühle auf den Terrassen der Cafés sind voll besetzt. Jede Parkbank ist vergeben. Die Berliner und ihre Gäste krempeln die Ärmel hoch, recken die Nase in die Sonne, genießen die laue Luft und schlecken dabei oft an einem Eis. „Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können“, sagt Annalisa Carnio. Sie ist die Sprecherin der Europäischen Speiseeismeisterschaft, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet, und das in Berlin. 16 Eismacher aus acht Ländern Europas sind am Donnerstag und Freitag im Steigenberger Hotel angetreten, um der Jury mit ihrem Eis ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Zu überzeugen gilt es unter anderem Dario Fontanella, der als Erfinder des Spaghetti-Eises gilt. Annalisa Carnio sagt, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Lust auf Eis und der Genuss daran mit jedem Sonnenstrahl zunehme.

Genießen kann Thorsten Bissantz allerdings noch nicht. Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen von der „Ice Guerilla“ aus Beeskow kämpft der Baden-Württemberger mit seinem Schoko-Eis um die Meisterschaft. Seine Zutaten, Milch, Sahne, Zucker und vier Sorten Schokolade, hat er noch nicht zusammengemischt. Bissantz darf erst als Letzter an die Eismaschinen. „Gott sei Dank scheint die Sonne“, sagt der 30-Jährige, denn auch er weiß um den appetitanregenden Effekt. Noch scheint die Sonne, für die kommende Woche kündigen die Meteorologen einen Temperatursturz an. Ab Donnerstag soll es unter zehn Grad kalt werden. Hoch „Kourosh“, das jetzt noch die milde Mittelmeerluft ins Land bringt, wird sich verziehen und das spätsommerliche Intermezzo beenden.

Giovannino Fittipaldi ist dann schon wieder in Italien. Vorher will er aber noch das Eis der Wettbewerber kosten. Geschmack, Struktur, Aroma, all das werde bewertet, sagt er. „Wenn das Eis an der Zunge klebt, dann ist zu viel Fett drin.“ Das verderbe den Appetit auf eine neue Kugel, sagt Eis-Experte Fittipaldi. Und noch eine Kugel und noch eine. Tobias Reichelt

Die Abzocker von Tegel sind eine überschaubare Gruppe und dennoch gelingt es nicht, ihrer habhaft zu werden. Berlins Taxifahrer wollen nicht länger hinnehmen, dass einige ihrer Kollegen die ganze Branche in Verruf bringen. Gemeinsam mit den Behörden wollen sie gegen kriminelle Chauffeure vorgehen, die, wie berichtet, von Berlin-Besuchern für die Fahrt in die Innenstadt stark überhöhte Preise von teilweise mehr als 200 Euro fordern.

„Wir haben uns mit dem Landeskriminalamt in Verbindung gesetzt“, sagte der Vorsitzende der Berliner Taxi-Innung, Uwe Gawehn, dem Tagesspiegel. Kurzfristig will man mit der Polizei, dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo), dem Flughafen und anderen Berufsverbänden über gezielte Maßnahmen gegen die Abzocker beraten. „Wir wollen nach draußen zeigen, jetzt geht es zur Sache“, so Gawehn.

Von den 120 Betrugsverfahren, die in diesem Jahr bisher gegen Taxifahrer eingeleitet wurden, hat die Polizei bereits 97 an die Staatsanwaltschaft abgegeben. In 51 Fällen konnten Tatverdächtige ermitteltet werden. Darunter befinden sich sechs mehrfach Beschuldigte, gegen einen von ihnen richten sich allein 15 Tatvorwürfe. Ob und in welchem Umfang es bereits zu Anklagen oder Verurteilungen von betrügerischen Taxifahrern gekommen ist, konnte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag nicht sagen.

Nach Erkenntnissen von Christoph Krause, dem zuständigen Labo-Abteilungsleiter sind bisher alle Gerichtsverfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Denn meist fehlen Zeugen, und selbst wenn der Halter eines Taxis ermittelt werden konnte, muss dieser nicht zwingend der Fahrer gewesen sein.

Auch die von seiner Behörde verhängten Verwarnungs- und Bußgelder werden von den Gerichten regelmäßig abgeschmettert. Zwischen 35 und 200 Euro kostet es, wenn sich ein Taxifahrer nicht an die Regeln hält, den Nachrückeplatz in Tegel ignoriert, direkt in den Flugsteigring fährt und Fahrgäste außerhalb der offiziellen Halteplätze aufnimmt; Praktiken, die auch unter Abzockern üblich sind. Behauptet der Taxifahrer allerdings, der Kunde habe ihn telefonisch gerufen, muss ihm das Gegenteil nachgewiesen werden, so Krause. Denn in diesem Fall ist die direkte Anfahrt zulässig.

Nur sechs Labo-Mitarbeiter sind für die rund 7000 konzessionierten Taxis in Berlin zuständig. Das reicht nicht für tägliche Kontrollen, doch sei man regelmäßig auch in Tegel präsent, sagt Krause. Allerdings seien die Gesichter der Kollegen unter den Fahrern längst bekannt und so läuft, sobald die Kontrolleure auftauchen, stets alles korrekt. Sogenannte „Schwarzlader“ werden in der Regel nur vom Sicherheitspersonal der Flughafengesellschaft angezeigt.

Krause schätzt die Zahl der Betrüger auf einen kleinen Personenkreis „im unteren zweistelligen Bereich“. Auch die Namen seien bekannt, sagt Innungschef Gawehn. Man habe den Behörden bereits angeboten, eigene Mitarbeiter als Fahrgäste zu tarnen, um die Täter zu überführen, doch dies sei abgelehnt worden. Bei der Polizei wollte man sich zu der Frage, ob gegen die betrügerischen Taxifahrer auch offensiv ermittelt wird, nicht äußern.

Innungschef Gawehn fordert ein entschiedeneres Vorgehen der Behörden. Auch Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel sagte, dem gesetzwidrigen Treiben müsse „ein Riegel vorgeschoben werden“. Mit den Taxiverbänden sei man im Gespräch. Gedacht wird dort und beim Labo auch an Präventionsmaßnahmen, etwa mehrsprachige Hinweistafeln und Flyer. Sowohl Gawehn als auch Krause empfehlen Reisenden, unbedingt die offiziellen Halteplätze zu nutzen sowie auf die Konzessionsnummer und das Einschalten des Taxameters zu achten. Im Zweifelsfall sollten Kunden schon beim Einsteigen nach dem ungefähren Fahrpreis fragen.

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