Berlin : Sommer, Sonne, Sonnenbrand

Wer sich vor Hautkrebs schützen möchte, sollte nicht allein auf Sonnencremes vertrauen. Vorsorgetermine zahlen die Kassen

Adelheid Müller-Lissner

Wer „in die Sonne“ fährt, freut sich auf entspannten Urlaub, auf Wärme und Licht, am Meer oder in den Bergen. Und das zu Recht: Wir genießen die Sonne nicht nur, wir brauchen sie auch. Sie wärmt, sie erhellt mit ihrem Licht auch unsere Psyche, sie wird von der Haut benötigt, um die Vitamin-D-Produktion anzuregen, sie hilft sogar, unsere innere Uhr im Takt zu halten.

Seit hellhäutige Nord- und Mitteleuropäer sich die Ferien an fernen Stränden immer häufiger leisten, werden allerdings auch die Gefahren sichtbar, die die UV-Strahlung für unsere Haut birgt. Hautkrebs ist, zählt man alle seine Formen zusammen, zur häufigsten Krebsform der Deutschen geworden. Nach Angaben des Robert Koch Instituts erkranken 140 000 Menschen pro Jahr an Hautkrebs – weit mehr als in vergangenen Jahrzehnten. Als Risikofaktoren haben die Hautärzte neben dem Hauttyp auch Sonnenbrände in der Kindheit und das Freizeitverhalten im Erwachsenenalter ausgemacht. Das alles wird sozusagen auf das Sonnenkonto eingezahlt und summiert sich. „Vernünftig mit der Sonne umzugehen, das heißt: keinen Sonnenbrand bekommen“, sagt Wolfgang Sterry, Chefarzt der Hautklinik der Berliner Charité.

Um das zu schaffen, sollte man sich nicht ausschließlich auf Sonnenschutzmittel verlassen. Ihre chemischen Komponenten reichen nicht, um vor dem ganzen Spektrum der Strahlen zu schützen. „Sie knipsen aber die Warnlampe Sonnenbrand weg“, mahnt der Hautarzt. Physikalischer Sonnenschutz erfasst zwar theoretisch alle Bereiche der Strahlung. Praktisch gelingt es jedoch fast nie, sich wirklich perfekt einzucremen. Das zeigte an der Charité-Hautklinik ein Versuch, für den einem Sonnenschutzmittel fluoreszierende Substanzen beigemischt wurden. „Die Versuchspersonen waren erstaunt, wie viele Stellen auch nach dem gründlichen Eincremen nicht leuchteten“, erzählt Sterry.

Trotzdem bieten die Mittel einen gewissen Schutz, der vor allem für die „Sonnenterrassen“ Gesicht, Ohren, Schultern, Glatze und Fußrücken wichtig ist. Hautärzte empfehlen zu Beginn der Saison Mittel mit dem Lichtschutzfaktor 20. Erst nach einer halben Stunde entfalten sie ihre volle Wirkung, unter Einfluss von Schweiß, Sand und Wasser verlieren auch wasserfeste Cremes sie aber nach und nach. Nachcremen empfiehlt sich deshalb – es erhöht jedoch nicht die erlaubte Verweildauer in der Sonne. Hellhäutige sollten für sich, Eltern für ihre kleinen Kinder mit der besonders empfindlichen Haut bei Outdoor-Aktivitäten immer ein passendes Mittel im Gepäck haben. Kleine Kinder sind ohnehin ein Kapitel für sich, denn der Eigenschutz der Haut gegen UV-Strahlung ist in den ersten Lebensjahren noch nicht voll ausgebildet. Babys sollten überhaupt noch nicht direkt in die Sonne. Auf schützende Kleidung sollten alle achten, und in der Mittagszeit ist es ratsam, die pralle Sonne zu meiden.

Wird Hautkrebs früh entdeckt, dann bestehen heute fast hundertprozentige Heilungschancen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist auch beim Malignen Melanom, dem gefährlichen Schwarzen Hautkrebs, deutlich erhöht. Für die frühe Erkennung empfehlen Hautärzte die ABCD-Regel: Achte bei einem Muttermal auf Asymmetrie, mangelnde Begrenzung, uneinheitliche Pigmentierung (Colour) und Durchmesser über 0,5 Zentimeter.

Ab dem 1. Juli haben alle rund 45 Millionen gesetzlich Versicherten über 35 Jahre in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose gründliche Untersuchung vom Scheitel bis zur Sohle auf Hautkrebs, die Allgemeinmediziner und Hautärzte mit entsprechender Fortbildung im Hautkrebs-Screening anbieten. Bisher war es eine „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL), die man aus eigener Tasche bezahlen musste. Zum Programm des Screenings gehört auf jeden Fall auch ein ausführliches, auf den Hauttyp abgestimmtes Gespräch darüber, wie man die Sonne genießen kann, ohne unter den schädlichen Folgen der Strahlung zu leiden.

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