Sommerferien : Doller Auftritt, dicke Pullover, doppeltes Gold und dreiste Räuber

Nicht nur Barack Obama, Thilo Sarrazin und Britta Steffen beschäftigten Berlin: Ein Rückblick auf die Ereignisse während der Sommerferien. Zum Starten der Fotostrecken einfach auf die Bilder im Text klicken.

Stefan Jacobs

Die Mediaspree ist nicht versenkt worden über die Ferien. Zurzeit würde sie wohl nicht mal untergehen, mag man angesichts der zähflüssig trübgrünen Brühe einwenden. Aber die Algenplage in den Gewässern zeigt den Rückkehrern, dass der Berliner Sommer schön war: etwas wärmer, sonniger und trockener als im langjährigen Mittel. Und dabei gab es kein einziges jener Gewitter, die U-Bahnhöfe oder die Friedenauer Senke überschwemmt hätten.

Stattdessen Erleuchtung und Wärme der schönsten Art: Vor mehr als 200 000 Menschen hielt Barack Obama seine außenpolitische Rede an der Siegessäule – und badete kurz in der begeisterten Menge. Es war Werbung vom Feinsten, die Berlin der fernsehenden Welt lieferte.

Unbeobachtet waren dagegen jene Einbrecher, die Tage später den Tresorraum der Commerzbank am Ku’damm plünderten. Mit den Tätern sind die Wertsachen Dutzender Kunden verschwunden.

Um das als öffentlich bezeichnete, aber streng abgeschirmte Bundeswehrgelöbnis vor dem Reichstag gab es kleine Scharmützel zwischen Grünflächenamt Mitte und Bundesverteidigungsministerium, aber nach wenigen Tagen standen die Grashalme wieder stramm und der Pulverdampf verzog sich. An seine Stelle trat Zigarettenqualm, über den das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass man ihn in Einraumkneipen nicht verbieten dürfe, solange die große Konkurrenz die Kundschaft mit separaten Räumen für Raucher und Nichtraucher lockt.

Als die Tage immer heißer wurden und sich gerade das Sommerloch auftun wollte, merkte Thilo Sarrazin an, dass 16 Grad Zimmertemperatur plus dicker Pullover gegen steigende Energiekosten helfen. Die Aufregung hielt sich in Grenzen, und Klaus Wowereit rechnet nach eigenem Bekunden fest damit, dass Sarrazin planmäßig aus dem Urlaub an seinen Schreibtisch zurückkehren wird. Die anderen Senatoren ebenso. Zwei Dinge haben sie sich vorübergehend vom Hals geschafft: Das Volksbegehren für bessere Kitas, das der Senat zwar für inhaltlich legitim, aber für rechtlich unzulässig erklärte, weil es so teuer wäre. Damit geht es vors Verfassungsgericht. Und die öffentlich Bediensteten sollen nach geplatzten Verhandlungen zwar Einmalzahlungen erhalten, wollen aber weiter streiken.

Was Obama verwehrt blieb, wurde einer Herde Ziegen zum Schweizer Nationalfeiertag erlaubt: Ein Auftritt am Brandenburger Tor. Apropos Auftritt: Klaus Wowereit hatte einen am Alex. Der Regierende befand das Sammelsurium aus kitschrosa Alexa, fensterlosem Neubaubunker und kaugummiverklebtem Granitboden für hässlich. Genau!, sagten viele, und andere fragten, ob Wowereit das wirklich erst jetzt aufgefallen ist. Immerhin ist eine gehaltvolle Debatte über Architektur und Ästhetik in Gang gekommen. Und über die – komplizierte – Kaugummibeseitigung wird auch verhandelt.

Bei der Bahn gibt es Neues (die S 21 vom Nordring zum Hauptbahnhof soll gebaut werden) und Altes: Eine anständige Anbindung von BBI zur Eröffnung ist nicht in Sicht, und der Umbau des Ostkreuzes ist frühestens 2016 vollbracht, weil sonntags nicht mehr gelärmt werden darf.

Damit die Landung im Alltag nicht allzu hart wird, noch ein paar gute Nachrichten: Der Berliner Dom hat sein Kuppelkreuz wieder, Britta Steffen erschwamm in Peking zwei Goldmedaillen, und ab heute wird in den Läden die Weihnachtsknabberei verkauft. Na dann: Alles Gute fürs Neue Jahr! Stefan Jacobs

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