Sommerhitze in Potsdam : Schattige Rast? Bitte nicht im Park von Sanssouci!

Unser Autor hat im Schlosspark Sanssouci schmerzhafte Bekanntschaft mit §3 Abs. 1 i) StiftAnlVO gemacht. Sein Vergehen: eine schattige Rast auf einer Wiese bei gefühlten 40 Grad Hitze. Dafür fand er sich später beinahe im Garten Eden wieder.

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Betreten erbeten: Die Wiese neben dem Café Eden am Rande des Schlossparks von Sanssouci.
Betreten erbeten: Die Wiese neben dem Café Eden am Rande des Schlossparks von Sanssouci.Foto: Lars von Törne

Auch wenn es Sanssouci heißt – ein Tagesausflug in den Potsdamer Schlosspark ist nicht immer ein sorgloses Erlebnis. Zumindest nicht, wenn man jener pedantischen Parkwächterin begegnet, die kürzlich Dienst hatte.

Die Besucher hatten es gewagt, sich nach einer Wanderung durch den Park auf einer Wiese niederzulassen, wie sie es aus Berliner Parks kennen. Bei gefühlten 40 Grad tat die Pause im Schatten gut, es schien ein perfekter Tag zu werden – bis die Wächterin neben der Picknickdecke auftauchte.

Mit ruppiger Stimme wies sie darauf hin, das das Sitzen auf dem Gras verboten sei. Die Besucher erklärten, davon nichts gewusst zu haben, zeigten sich aber bereit, den Rasen sofort zu verlassen. Das reichte der Wächterin nicht. Sie habe bereits vielen anderen Grassitzern eine Strafe abnehmen müssen, da könne sie keine Gnade walten lassen. Zehn Euro betrage das Verwarnungsgeld.

Die Besucher wollten das nicht einsehen, da sie zuvor weder auf das Verbot noch auf die Strafe hingewiesen worden waren. Da griff die Wächterin zum Handy und tippte die Nummer der Polizei ein. Selig eine Stadt, deren Polizei für derlei Dinge Zeit hat!

Da dies den Besuchern nun doch zu absurd vorkam, und um den Tag nicht vollends zu ruinieren, erklärten sie sich bereit, die zehn Euro zu zahlen. Dafür gab’s einen Strafzettel mit dem Wappen der Schlösserstiftung und der Information, dass man gegen §3 Abs. 1 i) StiftAnlVO verstoßen habe (Delikt: Lagern auf Parkanlagen). Geknickt trotteten die Besucher davon, die entspannte Sommerstimmung schien nachhaltig verdorben.

Bis sie am anderen Ende des Parks hinter einem halb verfallenen Haus eine Oase entdeckten: Eine Hütte namens Café Eden, davor eine Wiese mit Liegestühlen – und Picknickdecken sowie der schriftlichen Einladung, sich im Gras niederzulassen. Und das direkt an einem hübschen Wasserlauf mit Blick auf die Römischen Bäder. Das rettete die Stimmung, der Schlosspark hatte seine Sorglosigkeit wiedergewonnen.

Beim Hinausgehen entdeckten die Besucher ein Schild mit einer Erkenntnis Fontanes: „Uns gehört nur die Stunde. Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.“ Stimmt! Auf der Heimfahrt fand sich dann im Internet auch noch ein Fontane-Zitat für die Parkwächterin: „Eine gute Frau muss die Augen immer aufhaben, aber sie muss sie auch zuzumachen verstehen, je nachdem.“

Die fliegenden Grazien
2013 wurde die Skulpturengruppe "Drei Grazien" restauriert. Hier sieht man, wie eine Figur per Spezialkran von der Kuppel des Schlosses gehoben wird.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: dpa
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