Berlin : Sommerleid, Somerfreud: Keine Angst vor kleinen Tieren

Heidemarie Mazuhn

Am vergangenem Wochenende leisteten die ehrenamtlichen Helfer der Arbeitsgemeinschaft Wasserrettungsdienst 32 Mal Erste Hilfe - an Land, und dort vor allem nach Wespenstichen. "Killerwespen", "Wespenplage", "Wespenangriff auf Kita-Kinder" - so titelten einige hiesige Blätter bereits in diesem Sommer. Droht wirklich, dramatisch vermehrt, die gelbschwarze Gefahr, die allgemein Wespe genannt wird und hierzulande vor allem als Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris) und als Deutsche Wespe (Paravespula germanica) uns den Pflaumenkuchen, das Eis und die Wurststulle streitig macht?

Gerade mal zwei Wespen waren es, die gestern im Freien mit Jürgen Lange das Mittagessen teilen wollten. Kein Wunder, dass der Direktor des Zoo-Aquariums da bezüglich Wespen keinen Anlass zur Panik sah. "Wir haben die zweite Augusthälfte, da ist es normal, dass bei Wärme Wespen schwirren." Wer draußen isst, sollte aber erst genau auf den Teller sehen, ob sich darauf nicht eine Wespe gütlich tut, um nicht etwa in die Zunge gestochen zu werden.

"Wir haben weder besonders viele, noch besonders aggressive Wespen in diesem Jahr", stellte auch Thomas Sommer von der Arbeitsgruppe Bienenforschung an der Freien Universität Berlin bisher fest. Man habe im Gegenteil noch nicht mal genügend Wespennester für die Forchungsarbeit gefunden. Grund sei der schlechte Sommer, bei Regen und Kühle kommen Wespen nur selten raus. Erst mit steigender Quecksilbersäule schwärmen die Futterbeschafferinnen vermehrt aus und wehren sich bei Gefahr - nur die Weibchen haben einen Stachel, und wenn sie ihn benutzen, sterben sie.

Seit zwei Tagen beobachte sie, dass die Wespen aggressiver werden, sagte Ilse Blaschke von der Imkergenossenschaft. Das Wespenjahr gehe zu Ende, ungewöhnlich sei es nicht. Ilse Blaschke selbst hat keine Angst vor den "bestachelten Hautflüglern" - so die zoologische Bezeichnung für die ungeliebten Insekten. "Wir haben am Dach selbst ein Wespennest." Nur auf der Wiese sollte man nicht barfuß laufen, "die Wespen suchen dort nicht nur Nahrung, sondern auch Wasser".

Die Feuerwehr leistet gegen Wespen "im Regelfall keine Hilfe mehr", gab gestern deren Sprecher Jens-Peter Wilke Auskunft. Wenn überhaupt seitens der Feuerwehr gegen die Insekten eingeschritten würde, dann nur im öffentlichen Bereich und bei Gefahr, etwa in einem Kindergarten oder Seniorenheim.

Wer sich privat durch ein Wespennest in seiner unmittelbaren Nähe gefährdet sieht, muss einen Schädlingsbekämpfer zu Hilfe rufen. Werktags muß man dazu in den Gelben Seiten suchen, am Wochenende ist es einfacher - da wählt man die Telefonnummer des Landesverbandes der Schädlingsbekämpfer (663 40 65) und wird an den zuständigen Wespennotdienst weitergeleitet.

Vergangenes Wochenende war das der Schädlingsbekämpfer Robert Schikowski. Der stellte bisher zwar, bedingt durch den milden Winter, heftigen Wespenbefall fest, außergewöhnlichen aber nicht. Der Notdienst am Wochenende blieb für ihn relativ ruhig, außer einigen Anfragen habe es nur eine Wespennestmeldung gegeben - aus einer Kita in Zehlendorf.

Was man wissen sollte: Wespen stechen nur, wenn sie sich bedrängt fühlen. Also, nicht hektisch nach ihnen schlagen, sondern sie von der verführerischen Kaffeetafel mit Pflaumenkuchen weglocken, etwa mit einem Schälchen Zuckerwasser oder Limonade. Ist einem eine Wespe trotz aller Vorsichtsnahmen schon persönlich auf den Pelz gerückt, sollte man versuchen, ruhig zu bleiben und möglichst zu verhindern, dass einem der ungebetene Gast unter die Kleidung krabbelt. Dort gerät die Wespe leicht in Panik und sticht zu. Bewährte Hausmittel gegen Stiche sind kalte Umschläge mit Essigwasser, essigsaurer Tonerde, Arnika oder Salzwasser. Man kann auch Zwiebelscheiben auflegen oder den Stich mit frischer Zitrone oder Salmiakgeist einreiben.

Gefährlich bis lebensgefährlich kann die die Wespe für Allergiker werden. Nach einem Stich wird ihnen in kürzester Zeit übel, sie bekommen Juckreiz, Atemnot und Kreislaufstörungen, die bis zum Atem- und Kreislaufstillstand führen können. Bei so schweren Reaktionen kann nur der Notarzt helfen. Davon Betroffene wissen aber zumeist darum und nehmen sich besonders vor den Insekten in Acht. Und schwere Insektengift-Allergiker tragen im Sommer ein Notfallset mit Medikamenten bei sich.

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