Berlin : Sommerplage: Die Fruchtfliege

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Jetzt ist ihre Zeit. Schwülwarm liebt sie es und fruchtsauer. Sie hält den Luftraum in der Küchen besetzt - und sie bringt immer gleich ihre ganze Verwandtschaft zum Essen mit. Zunächst ist die Rotte mit bloßem Auge nicht zu sehen. Doch jede Bewegung scheucht sie auf, stört sie beim Rund-um-die Uhr-Fressgelage - in Mülltüten, auf Obstschalen, am Brotlaib, im Bierglas. Gemeine Fruchtfliegen, im Volksmund auch Essigfliegen, genannt, vergällen dem Sommermenschen den Griff zum gaumenschmeichelnd weich gedrückten Pfirsich. Denn sie sind wahre Hausbesetzer. Und sie vermehren sich - Achtung Hausfrauen! -, wo es in Fugen und Ritzen nicht blitzsauber ist. Wenn ein Limonadenrest auf der Resopalplatte klebt oder die Tasse vom letzten Frühstück noch im Spülbecken gammelt.

Wo eine Fruchtflige ist, sind schon Tage später tausende. In 24 Stunden legen die zwei- bis vier Millimeter kleinen Mistviecher Eier - ein Weibchen bis zu 400. Aus denen werden sechs Millimeter lange Maden. Und spätestens zehn Tage später schwirren sie aus. Was Fruchtfliegen einmal angeknabbert haben, sollte sofort in den Müll, sagt der Fachmann. Denn die kleine Braune mit den roten Augen überträgt Hefepilze und Essigbakterien, lässt also das Essen gammeln. Lebensmittel schützt man vor ihr mit gaaaanz feinmaschigen Netzen. Der Fachhandel jedoch bietet für zirka 40 Mark das Stück Köderlichtfallen an oder Biotonnenpulver (14,30 Mark) oder Mülltonnendesinfektionsschaum, die Dose zu 29 Mark. Aber ob das hilft? Es gibt Menschen, die die Fruchtfliege lieben: Angler zum Beispiel. Oder Aquarianer. Die züchten die Maden auf einem Brei aus drei reifen Bananen, 200 Gramm Haferflocken, einem halben Würfel Hefe und einem Schuss Essig. Aber eigentlich sollten auch wir der kleinen Fliege freiwillig ein wenig Obst rüberschieben. Gehört sie doch zur Gattung Drosophila melanogaster. Und an dieser ist es schließlich jüngst gelungen, das Genom zu entschlüsseln.

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