Berlin : Sonderfahrt zur Abstimmung

SPD fuhr gehbehinderte Berliner zum Wahllokal

Susanne Thams

Vom Wahltaxi hatte Rentnerin Edelgarde Roschin aus der Zeitung erfahren. Den Fahrservice, den die Berliner SPD zur Bundestagswahl in allen Bezirken gehbehinderten und älteren Bürgern anbot, kam ihr gerade gelegen. „Ich hätte sonst gar nicht gewusst, wie ich zum Wahllokal kommen soll“, sagt die 80-jährige Charlottenburgerin.

Ihr Fahrer, Axel Oppold-Soda, hilft ihr die Treppen herunter und fährt sie bis vor die Tür des Abstimmungslokals für den Wahlbezirk 802, dem Kirchengebäude Alt-Lietzow. Ihre Wahlentscheidung beeinflusse die Sonderfahrt aber nicht, sagt sie bestimmt. „Ich wusste schon vorher, was ich wählen werde“, erklärt sie, aber mehr will sie nicht verraten. „Natürlich versuchen wir, die Wähler noch für uns zu gewinnen“, sagt ihr Fahrer, der einen roten Anstecker mit „fw steinmeier“ trägt. Aber es gehe vor allem darum, dass möglichst viele zur Wahl gehen. Edelgarde Roschin ist in all den Jahren stets wählen gegangen. „Das ist wichtig“, weiß sie. Bisher konnte sie das immer alleine bewerkstelligen. Aber aus einem Krankenhausaufenthalt, der nur drei Tage dauern sollte, wurden drei Wochen. „Sonst hätte ich Briefwahl beantragt“, erklärt sie. Nach einer dreiviertel Stunde ist Edelgarde Roschin wieder zu Hause.

Über 30 Fahrer waren für das SPD-Wahltaxi am Sonntag unterwegs. Die meisten der ehrenamtlichen Helfer haben dazu ihren Privatwagen genutzt, der an diesem Tag wegen der Personenbeförderung besonders versichert war. Spritgeld gab es keins. Drei Touren habe jeder der Fahrer im Durchschnitt gemacht, berichtet Axel Oppold-Soda, der schon bei früheren Wahlen Taxifahrer gespielt hat. Seine erste Fahrt hatte der 39-Jährige gleich am Morgen. „Das war ein Nachbar“, sagt er, „ich habe in unserer Straße natürlich Werbung für die SPD gemacht.“ Die nächste Fahrt führt ihn nach Wilmersdorf. Als er bei dem älteren Herren, der laut Telefonzentrale bereits auf ihn gewartet hat, klingelt, macht niemand auf. Wahrscheinlich ist er alleine losgegangen. Oppold-Soda nimmts mit Humor: „Der hat wohl nicht geglaubt, dass die SPD wirklich kommt.“ Susanne Thams

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar