Berlin : Sonderkonditionen bei der Sparkasse werden nach unklaren Regeln eingeräumt

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Der Ärger von Kunden der Berliner Sparkasse über Girokonto-Sonderrabatte für bestimmte Personenkreise ebbt nicht ab. Seit der Sparkassen-Werbeaktion für Bundestagsabgeordnete und Zuzügler, denen auf ein Jahr befristet gebührenfreie Konten mit 1,5-prozentiger Verzinsung angeboten werden, verlangen auch viele Stammkunden ein billigeres Konto. Wie berichtet, gehen einzelne der rund 170 Filialen des Marktführers in Berlin auf Wünsche nach Sonderkonditionen ein. Der Umfang des Entgegenkommens ist recht unterschiedlich, die Palette reicht vom gebührenfreien und mit 1,5 Prozent verzinsten Konto ohne Befristung bis zur Halbierung der Kontoführungsgebühren.

Die meisten Kunden bekommen jedoch Standardschreiben mit der Mitteilung, dass man Sonderkonditionen nur "Neukunden" oder Schülern, Studenten und Auszubildenden einräume (siehe dokumentierte Beispiele unten). Manche Filialleiter, von Lesern mit Tagesspiegel-Berichten über Billigkonten "für gute Kunden" konfrontiert, sprachen von "Zeitungsenten".

Niemand habe einen Anspruch auf günstigere Bedingungen, betont indes Sparkassen-Sprecher Volker Winde. Die Regelgebühren liegen jährlich je nach Kontoart (Privatkonto/Privatkonto Plus oder Privatkonto Direkt) bei mindestens 90 bis 180 Mark. Nur bei "besonders guten Geschäftsbeziehungen" seien individuelle Vereinbarungen möglich, die vom Kunden beantragt werden müssten. Andere Geldhäuser handelten ebenso, sagt Winde, es gelte grundsätzlich Vertragsfreiheit. Es gebe keine exakten Vorgaben des Sparkassen-Vorstands, wann im Ausnahmefall ein billigeres Konto gewährt wird. Die Entscheidung darüber liege im Ermessen des jeweiligen Filialleiters.

Nach den Erfahrungen von Lesern des Tagesspiegels werden neben monatlichen Gehaltseingängen von einigen tausend Mark weitere Anlagen, etwa Wertpapierdepots oder Sparkonten, verlangt. Auch sei es wichtig, wie lange man bereits Sparkassenkunde sei.

Wir dokumentieren Beispiele, wie einzelne Sparkassen-Filialen auf den Wunsch nach Sonderkonditionen reagierten (Auszüge aus Antwortschreiben)

Filiale 25 Potsdamer Str. 77/79: "Auf Ihrem oben genannten Privatkonto wird/werden mit Wirkung zum 01.11.1999 folgende Kondition/en wirksam: Der monatliche Buchungspostenmehrpreis in Höhe von 5,00 DM, der ab dem 25. Buchungsposten berechnet wird, entfällt. Der monatliche Kontoführungspreis wird von 10,00 DM auf 5,00 DM geändert. Diese Kondition gilt bis auf weiteres."

Filiale 105 Königstr. 60: "Auf Ihrem oben genannten Privatkonto Plus wird/werden mit Wirkung zum 01.10.1999 folgende Kondition/en wirksam: Die Verzinsung Ihres Girokontoguthabens beträgt 1,50 Prozent p.a. Der monatliche Kontoführungspreis wird von 15,00 DM auf 00,00 DM geändert. Diese Kondition gilt bis auf weiteres."

Filiale 173, Seddiner Straße 18-20: "Der Markt für Finanzdienstleistungen ist gerade in Berlin sehr umworben. Viele Unternehmen sind an neuen Kunden interessiert und versuchen, unter anderem auch zu den neu in die Stadt gezogenen Bundestagsabgeordneten eine Geschäftsbeziehung aufzubauen. Als Marktführer in der Hauptstadt konnten wir uns dem Wettbewerb nicht verschliessen und haben diesem Personenkreis ebenfalls ein entsprechendes Angebot zur Eröffnung eines Privatgirokontos unterbreitet. Unsere Aufmerksamkeit gilt jedoch unverändert allen unseren Kunden. Wir haben deshalb die Gebühren für Ihr Girokonto ab dem 01.10.1999, wie bereits mit einem Schreiben vom 16.09.1999 mitgeteilt, reduziert." (Dem Kunden war die Halbierung der Kontoführungsgebühren gewährt worden).

Filiale 73 Rankestraße 33/34: "Ihren Wunsch nach Sonderkonditionen haben wir eingehend geprüft. Wie oben dargestellt, richtete sich das Angebot ausschließlich an Neukunden. Wir hoffen daher auf Ihr Verständnis, dass wir Ihrem Wunsch, Ihnen ebenfalls Sonderkonditionen einzuräumen, leider nicht entsprechen können.

Filiale 123 Bismarckstraße 70: "Auf Ihrem oben genannten Privatkonto wird/werden mit Wirkung zum 01.11.1999 folgende Konditionen wirksam: Der monatliche Buchungspostenmehrpreis in Höhe von 5,00 DM, der ab dem 25. Buchungsposten berechnet wird, entfällt. Der monatliche Kontoführungspreis wird von 10,00 DM auf 0,00 DM geändert. Diese Kondition gilt bis zum 30.10.2000."

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