Berlin : Sonderzug aus Rio

Die Infrastruktur zur Fußball-WM ist fast fertig – jetzt können die Leinwände und die Fans kommen

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Das wird bestimmt ein amüsanter Nachmittag auf dem Bahnsteig: Am 13. Juni findet das erste WM-Spiel in Berlin statt, die Brasilianer reisen an – und sie kommen mit zwei Sonder-ICE. 1500 Fans werden dann in grün-gelben Trikots aus den Zügen tänzeln, mit Trommeln und Rasseln. „Die Fanzüge nach Berlin sind schon gebucht“, sagte ein Sprecher der Bahn. Überhaupt könnte es im Sommer ziemlich eng werden auf der Schiene. Bundesweit wurden bereits 45 Sonderzüge gemietet, für die Fans von Japan, Togo oder Ghana. Eine besondere Rolle nehmen aber die Brasilianer ein. Denn sogar deren Nationalmannschaft hat für die WM einen eigenen ICE gemietet.

Hartmut Mehdorn, der Chef der Deutschen Bahn, freute sich sichtlich, einmal über die bunteren Verkehrsthemen der Fußball-WM zu sprechen. Die grobe Infrastruktur steht, jetzt wird sie mit Leben gefüllt. „Wir sind fertig“, sagte der Vizepräsident des Organisationskomitees (OK), Horst R. Schmidt, beim VerkehrsFachkongress „WMobility 2006“ in Berlin. Neben Mehdorn waren auch OK-Präsident Franz Beckenbauer und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gekommen sowie Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Der Bund hat 3,6 Milliarden Euro in den Ausbau des Fernstraßennetzes investiert. In Berlin gehören zu diesen Vorhaben etwa der Ausbau der Heerstraße sowie der Autobahnzubringer im Süden der Stadt. Auch in die Infrastruktur der Bahn wurde viel Geld gesteckt: So wird die Fahrzeit nach Leipzig zur WM auf eine Stunde reduziert. Der Hauptbahnhof wird am 28. Mai eröffnet.

Vor allem Berlin werde im Sommer vor großen Herausforderungen stehen, sagt OK-Vize Schmidt. „Berlin ist der wichtigste Spielort der WM.“ Mittlerweile sind 22 Fanfeste in der Stadt angemeldet worden. Mehrere hunderttausend Menschen auf den Straßen werden den Verkehr zum Erliegen bringen.

Die Fans dürfen diese Feste lautstark feiern. Das Bundeskabinett beschloss gestern, den Lärmschutz nicht nur im Umfeld der Stadien, sondern auch bei solchen Nachtveranstaltungen nach 22 Uhr während der WM zu lockern. Die Bahn erwartet Leinwandübertragungen der 64 Spiele in 800 Orten.

Unterdessen nehmen auch die übrigen Planungen Berlins Gestalt an: Die Kugel des Fernsehturms ähnelt von Tag zu Tag mehr einem Fußball, in wenigen Wochen beginnt auch der Aufbau der Adidas-Arena vor dem Reichstag. Ein Mini-Olympiastadion wird dort für 8000 Fans entstehen; Höhe: zwölf Meter. AG

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