Berlin : "Songs against Aids": Im Luftschloss ohne Luft: Dirk Bach kam ganz nackt

Heidemarie Mazuhn

Gut, dass Brigitte Grothum in der Nacht zu Freitag nicht bis ins BKA Luftschloss hören konnte. Während sie im Roten Rathaus ihren "Jedermann" feierte, machte Dirk Bach ein paar Meter Luftlinie entfernt lockere Sprüche darüber. Dies für einen guten Zweck - der vom Publikum gnadenlos verräucherte Abend bot "Songs against Aids" - so hatte Initiator Tim Fischer seine Benefizgala genannt.

Dass deren Vorbereitung der zarten Berliner Nachtgestalt die wallende Haarpracht ausfallen ließ, ist ein Trugschluss. Das jetzt kurzrasierte Köpfchen sei "einfach pflegeleichter" talkte der Chansonier kürzlich und zeigt seitdem herrliche Segelohren. Zur Benefizgala talkte er auch - mit Alfred Biolek, oder umgekehrt. Damit man weiß, wofür man das nicht geringe Eintrittsgeld bezahlte, wurde vorher ein Film über das "Hospice North West in Klerksdorp" gezeigt. In dem Hospiz werden Aids-Kranke im Endstadium gepflegt - mit großem menschlichen Einsatz und wenig finanziellen Mitteln.

Tim Fischer und der Arzt Heiko Jessen, die im Februar in Klerksdorp weilten, wollen Letzteres ändern - mit der Benefizgala. 70 000 Mark kamen zusammen. Für die gute Sache zog dann auch der Moderator buchstäblich das letzte Hemd aus - die Frage aller Fragen: "Was ziehe ich an?", löste Dirk Bach genial und kam mit nichts als in Turnschuhen auf die Bühne. Genau in den klobigen Dingern, in denen er sich ebenso splitterfasernackt momentan in der Stadt auf Werbeplakaten einer Schuhgeschäfte-Kette präsentiert. Im Luftschloss löste der nach eigenen Worten "Hängebauch de Luxe" des Sprüchemachers Jubelstürme aus. Ob Udo Lindenberg ebenso wie Bach für eine Schuhfirma Werbung macht, ist noch unbekannt. Die schwarzweißen U-Boot-Schuhe, in dem der Alt-Rocker zu später Stunde als Höhepunkt der Gala zum gesungenen "Bel Ami" steppte, der Glück bei den Frauen hat, waren jedenfalls funkelnagelneu.

Mit von der Parie waren auch Cora Frost, Maren Kroymann, Gayle Tufts, Ades Zabel sowie Pigor und Eichhorn. Schlagerstar Patrick Lindner wurde auf der Bühne sogar mit Blumen beworfen und bejubelt. Dies auch, als ihm bei Sinatra der Text ausging. Da fragte man sich längst bang, wann der gute Mann merkt, dass dies nicht sein Publikum ist, dem er zum Abschied ein "Vielen Dank Berlin" hinschmetterte. Frank Schöbel trat nur im Publikum auf, hatte aber seine jüngste CD "Heimliche Träume" in der Tasche. "Erstmals singt er auch ein Lied über uns" freute sich Visagist René Koch über die schwule Liebe in Schöbels Repertoire.

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