Berlin : Sonnabends immer so leer - Diskussion über den Einzelhandel in lokalen Zentren

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Die Situation ist bezeichnend: Da steht man mit einer Schraube in einer kleinen Einkaufsstraße und einem fällt kein Geschäft ein, dass die passende Mutter dazu haben könnte. Der Handel in Berlins lokalen Zentren hat schon bessere Zeiten erlebt. Auswahl, Preise und Service müssen der Konkurrenz der riesigen Zahl an Einkaufszentren standhalten, die in den vergangenen Jahren hochgezogen wurden. Die Lichtenrader Bahnhofsstraße stehe gar nicht so schlecht da, sagten am Donnerstagabend etliche Teilnehmer einer SPD-Diskussionsveranstaltung zu den Perspektiven der Straße. Krisenzeichen seien aber auszumachen.

Vier Läden hätten seit Anfang 1999 dicht gemacht, sagte Wolfgang Krüger, stellvertretender Vorsitzender der Händlerarbeitsgemeinschaft Bahnhofsstraße. Bis auf eines seien alle Geschäfte aber wieder belegt. Einer der Händler beklagte sich darüber, dass es "sonnabends immer so leer ist", seit die nicht weit entfernten Gropiuspassagen in Neukölln ausgebaut hätten. Die SPD-Bezirksverordnete Andrea Grünberg-Schröder vermisst ein breiter gefächertes Angebot. Viele Leute hätten immer weniger Zeit. Der Einkauf in den großen Zentren sei meistens praktischer, sagte sie. Man finde kaum Parkplätze, beklagten Zuhörer.

Die Händler sind nicht untätig: Etwa 50 haben sich in der Arbeitsgemeinschaft organisiert. Sie veranstalten - in ihrer Qualität umstrittene - Straßenfeste und organisieren eine Weihnachtsbeleuchtung. Gemeinsame Werbeaktionen werden diskutiert. Wirtschaftsstadtrat Ekkehard Band (SPD) sprach von "Flächenwahnsinn" und warnte davor, weitere große Einkaufszentren im Bezirk zu genehmigen. Nur "integrierte Standorte" sollte es geben dürfen, solche, die direkt bei Einkaufsstraßen lägen und zusätzliche Kunden anzögen. Selbst die Fehlbelegungsabgabe in den nahen Hochhäusern gilt als eine Ursache am Konsumknick: Von den Bewohnern, die gut verdienen, seien viele ins Umland gezogen, sagte jemand. Es blieben die Sozialhilfeempfänger.

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