Sonne und steigende Temperaturen : Frühlingsgefühle in Berlin

Nach dem langen Winter bereiten Mensch und Natur die Stadt auf die nahende Sonnensaison vor. Die BSR will mit dem Frühjahrsputz bis Ostern fertig sein.

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Berlin - Pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang wird das Leben wieder bunt. Vier lange Wintermonate haben ihre Spuren hinterlassen, die nun beseitigt werden – teils von tüchtigen Menschen, teils von der Natur selbst. Die Krokusse haben es schon geschafft: Leuchtende Farben dominieren das schmutzige Grau entlang mancher Hauptverkehrsstraße. Der Anfang ist gemacht und weiterer Fortschritt in Sicht.

Die konstante Schneedecke seit Ende November habe der Natur gutgetan, sagt Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt – im Gegensatz zu der trockenen Eiseskälte der vergangenen Wochen. Die sogenannten Kahlfröste hätten die Rasenflächen zurückgeworfen und Risse an vielen Bäumen verursacht. Auch Stauden, Primeln und Tulpen seien heruntergefroren; ebenso manches beliebte Gartengehölz wie Kirschlorbeer, Bambus und Koniferen. In der Innenstadt hätten außerdem hungrige Kaninchen den jüngeren Gehölzen zugesetzt. Und sowohl die allergieauslösenden Eichenprozessionsspinner als auch die Kastanienminiermotten seien gut durch den Winter gekommen. Gegen die Motten hilft, altes Kastanienlaub schleunigst via Biotonne oder Hausmüll zu entsorgen, bevor die Kastanien grünen. Wenn es nach dem Regen der vergangenen Woche jetzt mild und sonnig wird, „gleicht die Natur vieles wieder aus“, sagt Jäckel. Wer dem Grün vor seiner Tür Starthilfe geben wolle, solle „harken, düngen und ausputzen“.

Letzteres tut die BSR nach Auskunft ihres Sprechers Bernd Müller schon seit dem Ende des Dauerfrostes. Knapp 40 000 Tonnen Straßenkehricht hätten die Männer der Stadtreinigung schon zusammengefegt. Hauptbestandteile: Streugranulat und Hundekot. Der Frühjahrsputz „von Hauswand zu Hauswand“ sei so weit vorangeschritten, dass die Stadt wohl vor Ostern besenrein sein dürfte. Für April stellt Müller die Neuauflage der „Dreckecken-Hotline“ in Aussicht. Erfahrungsgemäß würden dort allerdings vor allem Müllhaufen gemeldet, die sich auf Gelände von Privatleuten oder der Bahn befänden. Dafür sei die BSR nicht zuständig, aber man leite die Meldungen weiter.

Autofahrer werden bald wieder Zeit haben, sich am „Straßenbegleitgrün“ zu erfreuen – wenn sie im baustellenbedingten Stau stecken. Nach Auskunft der Stadtentwicklungsverwaltung sind am Donnerstag die Bescheide des Anti-Schlagloch-Programms an die Bezirke verschickt worden: 15 Millionen Euro werden gemäß der Straßenlänge an die zwölf Tiefbauämter verteilt. Für die anderen zehn Millionen Euro des Programms sollen die Bezirke bis Ende dieser Woche ihre Prioritätenlisten einreichen, damit der Senat entscheiden könne. Hauptgrund für diese Doppelverwaltung des Budgets sei die notwendige Koordination der Baustellen, die unnötige Nadelöhre vermeiden soll. Generelle Bedingung sei außerdem, dass die Bezirke ihr reguläres Budget für die Straßenunterhaltung auch komplett zweckgebunden verwenden.

Die frost- und leidgeprüften Fahrgäste der S-Bahn haben Grund zur Hoffnung: Vor wenigen Tagen wurden weitere fünf generalüberholte Doppelwagen der DDR-Baureihe 485 in Betrieb genommen. In den nächsten Monaten sollen weitere folgen. Zunächst werde die S 9 zum Flughafen Schönefeld verstärkt, später auch die S 75 nach Wartenberg und danach die S 3 nach Erkner. Den Großteil der Flotte bilden allerdings die neueren und störanfälligen 481er. Bei denen sowie den älteren 480er-Modellen wird nach Auskunft eines Bahnsprechers täglich der Füllstand des Bremssandes kontrolliert. 308 von 570 Doppelwagen hätten inzwischen eine automatische Füllstandskontrolle. Intakte Bremssandanlagen sind die Bedingung dafür, dass die Züge mit Tempo 80 fahren dürfen und nicht wie im „Winterfahrplan“ mit Tempo 60 durchs Netz schleichen. Die bei Frost notwendige Beheizung der Rohre für den Sand wird nach Auskunft der Bahn zurzeit erst erprobt. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, bleibt es ein Risiko für den nächsten Winter.

Aber erst einmal kommt der Frühling – und bleibt bis Mitte der Woche, wie Dennis Dalter vom Wetterdienst Meteogroup prophezeit: Der Montag werde bei 13 Grad am freundlichsten, der Dienstag bei 15 Grad und ein paar Wolken am mildesten. Am Mittwoch werde es mit zwölf Grad wieder kühler, am Donnerstag könne es bei ähnlicher Temperatur etwas regnen – „und am nächsten Wochenende müssen wir dann wieder mit einstelligen Höchsttemperaturen rechnen.“ Aber eine verspätete Winterrückkehr schließt Dalter für die ersten Frühlingstage aus.

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