Sonnenfinsternis : Berliner Energieunternehmen stellen sich auf Ausnahmezustand ein

Berlin freut sich auf die Sonnenfinsternis. Doch wenn der Himmel am Freitagvormittag klar ist, bekommen die Stromnetzbetreiber Probleme.

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Nur mit Spezialbrille! Der ungeschützte Blick in die Sonne kann die Augen schwer schädigen. Richtig ausgerüstet können Beobachter sich aber auf das Spektakel freuen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Nur mit Spezialbrille! Der ungeschützte Blick in die Sonne kann die Augen schwer schädigen. Richtig ausgerüstet können Beobachter...Foto: picture alliance / dpa

„Wir sind in Bereitschaft, der Krisenstab tagt, die Mannschaften werden am kommenden Freitag verstärkt“, sagt Julia Klausch vom Versorgungsunternehmen Stromnetz Berlin. Sie möchte für den Tag der Sonnenfinsternis gewiss keine Blackout-Szenarien ausmalen. Doch es handelt sich bei diesem Ereignis durchaus um einen Ausnahmezustand, auf den man sich professionell einstellt.

Am Freitag, den 20. März, ist es so weit. Der Mond wird sich vor die Sonne schieben. In Berlin beginnt die Sonnenfinsternis um 9.38 Uhr und endet um 11.58 Uhr. Die maximale Bedeckung wird um 10.48 Uhr erreicht, dann liegt der Mondschatten zu 74 Prozent über der Sonne. Wer eine totale Sonnenfinsternis erleben möchte, muss nach Spitzbergen oder auf die Färöerinseln reisen, die im Kernschatten des Monds liegen werden – oder bis zum 3. September 2081 warten, dann geht auch in Deutschland wieder einmal komplett das Licht aus.

Stress für die Stromnetze

Das Naturschauspiel ist für Beobachter faszinierend – aber es ist auch ein Ereignis, das die Stromnetze stresst. Wenn plötzlich viel mehr oder weniger Energie eingespeist wird, kann das Netz empfindlich reagieren. Im schlimmsten Fall führt das zum flächendeckenden Ausfall, dem gefürchteten Blackout.

Doch anders als bei Sturmfronten, die plötzlich auftreten und wenig vorhersagbar sind, wissen die Netzbetreiber seit Langem, wann genau die Sonnenfinsternis stattfinden wird. „Darauf können wir uns einstellen – aber wir wissen nicht, ob der Himmel klar oder bedeckt sein wird“, sagt Volker Kamm, Sprecher von 50Hertz. Das Berliner Unternehmen betreibt das Höchstspannungsnetz im Osten Deutschlands sowie im Raum Hamburg.

Die bevorstehende Sonnenfinsternis stellt die Netzbetreiber deshalb vor eine so große Herausforderung, weil es noch nie so viel aus Photovoltaik erzeugte Energie im Netz gab, rund 39 000 Megawatt. Bei wolkenlosen Verhältnissen geht in der ersten Hälfte der Sonnenfinsternis die durch Solarkollektoren eingespeiste Leitung um bis zu zwölf Gigawatt zurück – die Lampe wird sozusagen langsam gedimmt. In der zweiten Hälfte des Ereignisses, wenn das Licht wieder langsam angeht, steigt auch die Leistung wieder – aufgrund des höheren Sonnenstandes in der Mittagszeit wahrscheinlich um 19 Gigawatt. Das entspricht in etwa der Leistung von 19 Großkraftwerken.

40 Minuten lang muss darum etwa alle zehn Minuten die Leistung vergleichbar einem Großkraftwerk hochgefahren werden, um den wegfallenden Photovoltaikstrom auszugleichen. Genauso schnell muss die Leistung am Ende der Sonnenfinsternis wieder heruntergefahren werden. Das erfordert ein präzises Jonglieren mit Kraftwerkskapazitäten – in Echtzeit.

"Wir sind keine Amateure"

„Wir sind vorbereitet und in ständigem Austausch mit den Kollegen in Dänemark, Polen und Tschechien“, sagt Volker Kamm. Die Großkraftwerke werden in dieser Zeit nicht Volllast fahren, sondern einen Puffer aufrechterhalten, um gegebenenfalls Leistung zugeben zu können. Entscheidend wird der Moment sein, wenn am Ende der Sonnenfinsternis 19 Gigawatt „wieder ins Netz knallen“, so Klausch. Die hochgeregelten Kraftwerke müssten dann in kürzester Zeit wieder runtergeregelt werden, um Platz im Netz zu schaffen.

„Sollte irgendwo irgendwas schiefgehen, dann könnte es sein, dass das Netz wegbricht“, sagt Julia Klausch von Stromnetz Berlin. Da alle europäischen Netze zusammenhängen, könnte ein Ausfall zum Dominoeffekt führen, sodass weitere Netze betroffen wären. Dann müsste eine neue Versorgung von unten nach oben aufgebaut werden. „Aber wir sind keine Amateure“, sagt Klausch. „Wir tun alles dafür, dass es glattläuft.“

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