Berlin : Sonntags im Tipi: Willy Brandt war für den Regierenden zu teuer

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Als Andrea Fischer gestern Mittag auf der TipiBühne für einen guten Zweck aufs Pult klopfte, klang das anfangs noch etwas zaghaft. Assistiert von Schauspieler Wolfgang Völz bemühte sich die ehemalige Gesundheitsministerin redlich und mit zunehmendem Witz und Humor, mehr als 60 gespendete zeitgenössische Kunstwerke zu Gunsten der Berliner Aids-Hilfe unter den Hammer zu bringen. Immerhin schaffte es das Duo schon in der ersten Runde, die Bildspende des Berliner Künstlers Salomé das Mindestgebot von 825 Euro auf 1500 Euro hochzutreiben. Beim zweiten Bild, das eine Berliner Galerie gespendet hatte, war die Auktion schon richtig in Schwung – unter anderen gehörte Ex-Senator Peter Kurth, gestern einer der Schirmherren der Benefiz-Aktion, zu denen, die das Mindestgebot von 250 Euro für die „Landschaft mit Mohnfeld“ auf 1600 Euro hochsteigerten. Ein anderer Schirmherr hatte schon bei der Begrüßung angekündigt, dass er als Bieter wohl ausfalle. „Was mir gefällt, ist mir zu teuer“, sagte Klaus Wowereit und bat die versammelte Gemeinde gut gelaunt: „Bitte gebt viel und seid fröhlich.“ Was seinen Nachredner Peter Kurth veranlasste, den Regierenden Bürgermeister fröhlich mahnend an die vielen Wände in seiner neuen Wohnung am Kurfürstendamm zu erinnern. Ob es bei Klaus Wowereit auf fruchtbaren Boden fiel, muss hier offen bleiben. Nicht aber, was dem verschlankten SPD-Mann ins Auge gefallen war: Jürgen Draegers Porträt-Triptychon „Meine Reise mit Willy Brandt“. Mindestens 17 000 Euro hätte Klaus Wowereit da hinblättern müssen. Es fand sich auch sonst niemand, der flüssiger war. Trotzdem gingen 40 Bilder an neue Besitzer, was insgesamt 31 000 Euro einbrachte. Darüber freuten sich Auktionsgäste wie Judy Winter, Romy Haag und Barbara Schöne, die als Mitglieder des Kuratoriums der Berliner Aids-Hilfe an den stilvoll gedeckten Tischen im Tipi saßen. Der Maler Jürgen Draeger war erstmals dort, ein Handicap gegenüber all den stadtbekannten Bussi-Austeilern. „Die halten mich für einen Arbeiter“, klagte der Künstler im viel zu warmen Holzfällerhemd, „als ich von einem der Kellner ein Wasser wollte, schickte der mich zur Bar.“ hema

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