Sonntags um 15 Uhr : Wiedereintritt in die Kirche im Wald

In der idyllischen Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe kann man jetzt in die Kirche zurückkehren. Dort gibt es eine "Wiedereintrittsstelle".

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Nikolskoe überm Wannsee, Kirche St. Peter und Paul.
Nikolskoe überm Wannsee, Kirche St. Peter und Paul.Foto: Mike Wolff, TSP

Kraftvoll peitschen Wind und Regen die Wellen der Havel. Nur wenige Spaziergänger wagen den Weg von der Pfaueninsel nach Nikolskoe, wo die Glocken der einst auf Veranlassung von König Friedrich Wilhelm III. erbauten Kirche St. Peter und Paul zur Einkehr rufen. An jedem Sonntag um 15 Uhr finden hier Gottesdienste für Ausflügler statt – und künftig soll hier sogar der Wiedereintritt in die evangelische Kirche möglich sein.

„Wiedereintrittsstelle St. Peter und Paul“ steht auf einem lilafarbenen Banner am Eingang der Kirche – immer nach dem Sonntagsgottesdienst stehen hier künftig Pfarrer im Ruhestand für Menschen bereit, die einst die evangelische Kirche verließen und nun in sie zurückkehren möchten, aber den Weg zur eigentlich zuständigen Wohnortgemeinde scheuen. Fünf solcher Wiedereintrittsstellen gibt es in der Landeskirche bereits, im vergangenen Jahr nahmen sie rund 150 Menschen in die evangelische Kirche auf. „Wir wissen nicht, ob die Hundertschaften kommen oder keiner“, sagte der pensionierte Wannseer Pfarrer Claus Marcus, der zum Kuratorium der Nikolskoer Kirche gehört, gestern. Aber man wolle es doch einmal probieren. „Viele Menschen merken nach ihrem Austritt aus der Kirche eine Leere“, sagte der Zehlendorfer Superintendent Johannes Krug. Nikolskoe sei eine schöne und beliebte Kirche, traumhaft gelegen mitten im Wald. „Hier wollen wir künftig über den Wiedereintritt reden.“

Zuvor allerdings spielte auch gestern die Orgel, fand auch gestern ein Gottesdienst statt. In dessen Zentrum stand nicht etwa die neue Wiedereintrittsstelle – sondern der Friedrichshagener Dichter Johannes Bobrowski, dessen 50. Todestag sich Anfang September jährte. Der Neuenhagener Schriftsteller Jürgen Israel war an die Havel gekommen, um in einer Predigt an ihn zu erinnern: Bobrowski habe die „Trauer um die verlorene Heimat im Osten“ als einen „neuen Ton in die deutsche Literatur“ gebracht, sagte Israel. Sein ganzes Werk sei von christlichen Bildern und Gedanken durchdrungen gewesen. Da war die Kirche, deren Baustil bis heute die Brücke zwischen Deutschland und dem Zarenreich darstellt, ein guter Ort, um gerade jenes Literaten zu gedenken. Benjamin Lassiwe

Der Kircheneintritt im Internet: www.willkommen-in-der-kirche.de

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