SONNTAGS um zehn : 40 Lichter erinnern an die Toten

Gottesdienst in der Luisengemeinde zum Ewigkeitssonntag

Barbara Schneider

Die Liste der Verstorbenen ist lang. Langsam lesen Pfarrer Stephan Kunkel und sein Kollege Peter-Paul Wenz die Namen der Gemeindemitglieder vor, die in den vergangenen zwölf Monaten kirchlich bestattet wurden. Für jeden Toten zündet ein Jugendlicher in der Charlottenburger Luisenkirche eine Kerze an. Mehr als 40 Teelichter brennen schließlich auf den Steinstufen neben dem Altar.

Es ist Ewigkeitssonntag. Wie überall in den evangelischen Kirchen im Lande erinnert an diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr auch die Gemeinde am Gierkeplatz mit einem Gottesdienst an ihre Verstorbenen. „Nachbarn, Freunde, Junge und Alte mussten wir im zurückliegenden Jahr zu Grabe tragen“, sagt Kunkel. „Ein letztes Mal im zurückliegenden Kirchenjahr sind wir zusammengekommen, um angesichts der Vergänglichkeit aller Menschen auf das Wort des Ewigen zu hören.“

In seiner Predigt richtet sich Kunkel an die Hinterbliebenen. Dabei greift er die Erfahrungen von Verlust und Trauer auf. „Sie werden erlebt haben, wie das Trauern Zeit benötigt“, sagt er. „Der Tod wirft einen Schatten auf unser Leben, lähmt, raubt Energie.“ Mit einem Bibelwort spricht er der Gemeinde Mut zu: „Ein jegliches hat seine Zeit. Geboren werden und sterben, weinen und lachen, klagen und tanzen.“ Bei Trauer und Tod will es der Pfarrer aber nicht belassen: „Inmitten der Trauer wachsen Kräfte, die dem Leben zugewandt sind“, sagt er. Kunkel predigt von der Auferstehung Jesu von den Toten sowie der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. „Der letzte Feind, der überwunden wird, ist der Tod“, sagt er. „Das Leben, und nicht der Tod, hat das letzte Wort.“

Rund 80 Menschen sind an diesem Ewigkeitssonntag in die Kirche gekommen. Das sind relativ wenige angesichts der vielen Kerzen und der Zahl der Verstorbenen. Pfarrer Kunkel, der an die Angehörigen von verstorbenen Gemeindemitgliedern eine Einladung zum Gottesdienst verschickt hat, führt das auf eine Veränderung der Trauerkultur zurück. Es werde nicht mehr öffentlich getrauert, meint er. „Trauer ist heute sehr stark privatisiert.“ Barbara Schneider

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