SONNTAGS um zehn : Alles auf eine Karte

WM-Gottesdienst in der Patmos-Gemeinde Steglitz

Barbara Schneider

Für das WM-Trikot Größe L schnellen die Preise rasch in die Höhe: Nach dem Erstgebot „Zehn Cent“, ist schnell die Zehn-Euro-Grenze erreicht. „Wer bietet mehr?“, ruft Anika Krebs ins Mikrofon. Die Rolle als Auktionatorin macht der Religionspädagogin sichtlich Spaß. Im Park der evangelischen Patmos-Gemeinde in Steglitz versteigert sie neben dem T-Shirt auch Fanschminke, Kartoffelchips und eisgekühlte Getränke. „Zehn Cent, zwanzig Cent – wer bietet dreißig“, fragt Krebs. Die Auktion ist nur der Auftakt eines Open-Air-Gottesdienstes.

Thema des Gottesdienstes in der Gritznerstraße ist die Weltmeisterschaft in Südafrika. Als Motto hat das Team um Pfarrerin Gabriele Wuttig-Perkowski den Satz „Alles auf eine Karte setzen“ ausgewählt. „Bei der Weltmeisterschaft haben die Mannschaften alles auf eine Karte gesetzt, um den Pokal mit nach Hause zu bringen“, sagt Wuttig-Perkowski und stellt die Frage in den Raum: „Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal alles auf eine Karte gesetzt?“

Der Gottesdienst hat anders als üblich keine Predigt. Vielmehr wechseln sich Bibellesung, Posaunenmusik und kurze Meditationen ab. „Wenn ich für meine Lebensträume alles auf eine Karte setze, scheint mir alles andere belanglos“, sagt Pfarrerin Wuttig-Perkowski. Sie verweist auf Apostels Paulus, der für seinen Glauben sein bisheriges Leben aufgab. Und Religionspädagogin Krebs erzählt davon, wie ihr bei der WM die offen praktizierte Religiosität mancher Nationalspieler aufgefallen ist. Sie bekreuzigten sich am Spielfeldrand oder fielen auf die Knie. „Das Gebet mag ein Ritual sein, aber es geht um mehr“, sagt Krebs. „Es hängt nicht alleine von mir ab, ob mein Leben gelingt.“

Es ist heiß an diesem Sonntag im Park vor der Kirche. Auf dem Rasen sind neben den Stühlen blaue Decken ausgebreitet, eine Linde spendet Schatten. Nach dem Segen verteilt Wuttig-Perkowski grüne Karten an die Besucher. Sie stehen symbolisch für die „Karte, auf die ich alles setze“, sagt die Pfarrerin. Gedruckt auf die Karte ist ein Zitat aus dem Philipperbrief des Paulus: „Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt.“ Am Rollwagen mit Wasser und Melone hat sich schon eine Schlange gebildet. Barbara Schneider

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