SONNTAGS um zehn : Alles Gute kommt von oben Gottesdienst und Goldkugeln:

Hoffnungsfrohes aus dem Berliner Dom

G,a Bartels

Eine steckt schon vor Gottesdienstbeginn auf dem rechten Turm an der Wasserseite des Berliner Doms. Noch eingewickelt und hoch oben umklettert von nervenstarken Monteuren. 80 Meter lang ist der Mast des Krans, der die restaurierten Zierkugeln aufs Dach hievt. Weil sich dafür nur sonntags die halbe Karl-Liebknecht-Straße sperren lässt, muss die Domgemeinde gar am Tag des Herrn Kletterer und Kranfahrer arbeiten lassen. Schaulustige recken die Hälse.

Darum, den Blick zu erheben, geht es auch drinnen im lichtdurchfluteten Prachtbau am Lustgarten. Aber hier ist es ein Bild dafür, neue Hoffnung zu schöpfen und Perspektiven zu finden. Der erste Sonntag nach Ostern heiße Quasimodogeniti, erklärt Dompredigerin Petra Zimmermann zur Begrüßung. Das heiße auf Latein „wie die neugeborenen Kinder“ und meine das von Osterfreude getragene Leben der Christen mit dem vom Tod auferstandenen Jesus.

Virtuoses Orgelspiel, Menschen im Sonntagsstaat, festlich-weiße Talare und draußen vorm Dom platzende Kastanienknospen und frisch restaurierte Goldkugeln – das atmet Frühling und Neuanfang. Oder wie Bischof Martin Schindehütte aus Hannover den Propheten Jesaja zitiert: „Die auf den Herren hoffen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Hoffnung für jene, die durch die Erdenschwere täglicher Lebensaufgaben abgrundtief müde geworden seien, sagt der Bischof. Egal, ob zu Jesajas Zeiten in babylonischer Gefangenschaft 587 vor Christus, über ein halbes Jahrtausend später am Ostermorgen an Jesu Grab oder zwei Jahrtausende weiter in Berlin unter Frustrierten und Ausgebrannten. Die Augen aufzuheben und sich der Weite des Himmels zu vergewissern, hilft, ist die Sonntagsbotschaft.

Oben auf dem Dom glänzt inzwischen die ausgewickelte Goldkugel. „Anderthalb Stunden verloren“, kommentiert ein Monteur vom Kranservice die vom Domprediger während des Gottesdienstes angeordnete Arbeitspause. Gläubig sei er nicht, aber zufrieden über die Rückkehr der restaurierten Domkugeln. „Ist immerhin Werterhalt.“ Gunda Bartels

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