SONNTAGS um zehn : Auf Glatteis zu Gott

Ein Besuch in der evangelischen Verklärungskirche in Adlershof

Heidemarie Mazuhn

So manch ein Kirchgänger, der es am Sonntagvormittag unversehrt in das dunkle Holzgestühl der evangelischen Verklärungskirche in Adlershof schaffte, schickte sicher als Erstes ein Dankgebet gen Himmel. Gestaltete sich doch der Kirchgang zu einer sturzgefährdeten Schlitterpartie auf eisglattem Untergrund – allein vom S-Bahnhof Adlershof bis zum Gotteshaus in der Arndtstraße nahe dem Marktplatz hatte scheinbar noch nie jemand etwas von Streupflichten gehört.

Umso mehr genoss der Gottesdienstbesucher dann die fast heimelige Geborgenheit in der Verklärungskirche, die am 17. November 1900 im Beisein von Kaiserin Auguste Victoria eingeweiht wurde, die zuvor auch das Protektorat über diesen ersten evangelischen Kirchenbau in Adlershof hatte. Die Landgemeinde im Südosten Berlins entwickelte sich damals zu einem rasch wachsenden Industriestandort und zählte 1890 schon 3346 Einwohner, heute sind es etwa 15 000. Von denen fanden sich am Sonntag etwa 60 in der Backsteinkirche ein, deren Inneres mit gediegenem dunklem Gebälk bis in die gewölbte Decke und stimmungsvoller Ausmalung durch den Berliner Maler Heinrich Heyl prunkt. Seit Weihnachten hängt hoch am Altar auch ein Gemälde von Leonardo da Vinci – „Die Anbetung der Könige“ hatte er 1481 für ein Kloster bei Florenz gemalt.

Dass die Pfarrerin Dorothea Qien nun in der Verklärungskirche aus der Betrachtung und Deutung dieses Gemäldes ihre Sonntagspredigt entwickeln konnte, war allerdings nicht dem berühmten Italiener zu verdanken, sondern einem Köpenicker Malerkollegen: Aus Vergnügen und „um so was auch mal zu machen“, kopierte Friedrich Damrau die monumentale „Anbetung der Könige“, frei unter dem in bestem Berlinisch geäußerten Motto: „Dit kann ick och.“

Wie die Weisen aus dem Morgenland, aus denen die Legende die Heiligen Drei Könige machte, mit ihren Gaben Weihrauch, Myrrhe und Gold nach Bethlehem zu Maria und ihrem Kind fanden und wie man die Bildgestaltung von Leonardo da Vinci zu diesem Ereignis unterschiedlich deuten könne – das ließ die Predigt zu einem höchst anschaulichen und zugleich geschichtlichen und künstlerischen Exkurs werden.

Einem Exkurs zu Gott. „Machen wir uns wie die drei Weisen auf den Weg zu Jesus Christus und das nicht nur zu Weihnachten“, endete Dorothea Quien ihre Sonntagspredigt. Heidemarie Mazuhn

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