SONNTAGS um zehn : Beifall für den Vertreter des Papstes

Neuer Apostolischer Nuntius in Sankt-Hedwigs-Kathedrale begrüßt

Die Zuletztgekommenen mussten stehen. Nicht mal mehr auf den steinernen Sockeln der hohen Säulen im Kirchenschiff der Sankt-Hedwigs-Kathedrale blieb gestern ein Plätzchen leer – so viele Gläubige besuchten am Sonntagvormittag dort den Gottesdienst. Nicht nur das Christkönigsfest hatte in das katholische Gotteshaus am Bebelplatz in Mitte gelockt, sondern vor allem der neue Papst-Botschafter in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset.

Der 68-jährige Schweizer tritt die Nachfolge von Erzbischof Erwin Josef Ender an, der Ende September in den Ruhestand trat. Mit Beifall wurde gestern der neue Apostolische Nuntius, wie der ständige Vertreter des Heiligen Stuhles bei der Regierung eines Staates genannt wird, in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale empfangen. Der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky hieß den römischen Gesandten nochmals öffentlich herzlich willkommen. Am Dienstag hatte er den Schweizer, der seit 35 Jahren dem Vatikan dient, schon persönlich am Flughafen begrüßt.

Deutschland ist nicht die erste Auslandsstation des promovierten Kirchenrechtlers aus dem französischen Teil des Kantons Freiburg. In Südafrika, Peru, Frankreich, Pakistan und Japan sammelte der Diplomat internationale Erfahrung. Außer seiner Muttersprache Französisch spricht er auch Deutsch, Italienisch, Spanisch, Englisch und Rumänisch. 1998 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Nuntius von Rumänien. Von Bukarest schickte ihn Benedikt XVI. nun nach Deutschland. Hier muss Jean-Claude Périsset noch sein Akkreditierungsschreiben Bundespräsident Horst Köhler übergeben – erst danach ist er ganz offiziell der neue Apostolische Nuntius für Deutschland.

Als Berliner fühle er sich aber jetzt schon – mit dieser artigen Äußerung bedankte sich Périsset gestern für den herzlichen Empfang in der Kathedrale, der mit engelsgleichem Solo- und Chorgesang und fröhlich tönenden Posaunen auch musikalisch festlich gestaltet wurde.

Gottes Wort zum Christkönigsfest, das am Sonntag vor dem ersten Advent das katholische Kirchenjahr schließt, sprach Erzbischof Georg Sterzinsky. Er predigte über das noch junge Königsfest, das Papst Pius XI. im Heiligen Jahr 1925 einsetzte. In einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung, der Ängste und Wirrnisse sollte das Glaubensbekenntnis zur Königsherrschaft Christi den Menschen Hoffnung und Sicherheit geben. Der Glaube an einen König, der bereit ist, die Dornenkrone statt die Herrscherkrone aufzusetzen, bedeute, dass man das Kreuz auf sich nehme. Denn so, wie der Christkönig handelt, sei auch in seinem Reich der Maßstab angelegt. Da gibt es kein Verhütungsrecht über menschliches Leben und auch keine aktive Sterbehilfe, sagte Sterzinsky. „Christus, der König, ist unsere Hoffnung, lasst uns ihm dienen“, endete er seine Predigt. hema

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