Sonntags um zehn : Das Haus vom Nikolaus

Bei den Evangelen ist immer was los. Und so hielt es Generalsuperintendent Ralf Meister am Nikolaustag nicht brav bei einem Gottesdienst in irgendeiner Berliner Kirche, sondern er und der Kirchenkreis Stadtmitte luden zur Freiluftandacht vor die Nikolaikirche.

313431_0_94005fe3.jpg
Heilig's Blechle. Mit modernen Motorrädern vor mittelalterlichem Gemäuer wurde vor der Nikolaikirche in Mitte an den Namensgeber...Foto: Thilo Rückeis

Geistig prägen wolle man den traditionsreichen, nach Sankt Nikolaus benannten und nicht mehr als Kirche genutzten Ort, sagt Meister. Und gemeinsam für die Stadt beten und fröhlich Adventslieder singen.

Im Nieselregen tönen dann auch schon von Weitem Posaunenklänge durch das Nikolaiviertel, eine Meute christlicher Motorradfahrer im Nikolausdress parkt vor dem ältesten Bauwerk der Stadt und auf der Lautsprecherbox vor der Feldsteinbasilika steht programmatisch ein Schokoladennikolaus. Später bekommen alle Kinder einen geschenkt, die zum schütteren Haufen der Andächtigen gehören, die etwas unsicher „Macht hoch die Tür“ anstimmen.

Als Talkgast vor seinem Haus begrüßt Ralf Meister den Nikolaus, gespielt von Superintendent Bertold Höcker. In seinem prächtigen goldenen Gewand könnte der glatt als katholischer Priester durchgehen. Hinterher erzählt er aber, dass es dem ersten evangelischen Pfarrer von Köln gehörte und über 200 Jahre alt ist.

Das ist kein Alter für den gütigen Beschützer der Kinder und Seefahrer Bischof Nikolaus, der der Legende nach vor 1600 Jahren in Myra, dem heutigen Demre in der Türkei, lebte. Und weil er nun schon da ist, klärt Ralf Meister mit ihm ein paar drängende Fragen. Wo er die Mitra gelassen hat? Komische Mützen gab es zu Nikolaus’ Lebzeiten noch nicht. Warum erinnert die ganze Welt einmal im Jahr an Sankt Nikolaus? Weil er ein Superreicher war, der sein Vermögen an Frauen und Kinder verschenkte, erklärt „Nikolaus“ Höcker, daher käme auch der Nikolausstiefel. Und weil das Leben in Myra dem in Berlin sehr ähnelte. Damals regierten auch die Heiden, genauer gesagt die Römer, und die Christen seien, wie heute, hier eine Minderheit gewesen, aber „das Salz in der Suppe“. Barmherzige Fürsorge ist das, was Nikolaus auszeichnet, fasst Ralf Meister zusammen. Und das sei es auch, was die Menschen in einer Stadt zusammenhalte. Das „Vater unser“ am Schluss klingt tätsächlich danach. Und der exklusive Segen vom Nikolaus. (gba)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar