SONNTAGS um zehn : Das Kreuz mit der Spree

Zum ersten Mal gab es in Berlin eine orthodoxe Wasserweihe.

Ferda Ataman
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Vor dem Haus der Kulturen der Welt warf Archimandrit Emmanuel das Kreuz in die Spree. -Foto: Uwe Steinert

„Er, er und er springen rein, wenn es losgeht“, sagt Emmanuel Sfiatkos, der Berliner Archimandrit des Ökumenischen Patriarchats und deutet auf drei Männer. Die Zuschauer lachen. Absurde Vorstellung, bei minus zwei Grad in die eisige Spree zu tauchen. Heute springt keiner in das geweihte Wasser, auch wenn es eigentlich zur Zeremonie gehört. Es ist zu kalt und die zuständige Behörde hat dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin gesagt, die Spree sei „nicht beschwimmbar“.

Dennoch: Seit Sonntag ist die Spree gesegnet – und damit Berlin, zumindest aus Sicht der orthodoxen Christen. Zum Leidwesen der 100 Gläubigen, die zur ersten Wasserweihe gekommen waren, konnte der für die Griechisch-orthodoxen in Deutschland zuständige Bischof Bartholomeos von Arianz wegen des Schneefalls nicht wie geplant einfliegen. Deshalb hatte die Wasserschutzpolizei auch nicht, wie zugesagt, ein Boot zur Verfügung gestellt. So standen die Zeremonienmeister am Schiffsanleger vor dem Haus der Kulturen der Welt. Die Wasserweihe gehört zu den wichtigsten Feiern der orthodoxen Kirche und findet traditionell am 6. Januar statt, zur „Erscheinung des Herrn“. In Berlin fiel der Termin wegen der einzuholenden Genehmigungen auf diesen Sonntag. In Anwesenheit griechischer, rumänischer und bulgarischer Geistlicher in blauen Talaren warf Archimandrit Emmanuel das goldene Kreuz, das er mit Zweigen umwickelt hatte, mehrfach ins Wasser und zog es an einem Band wieder an Land.

Normalerweise würden junge Männer danach tauchen und der Finder des Kreuzes von seiner Exzellenz gesegnet. Dass darauf verzichtet werden musste, fand zum Beispiel Athena Papadopoulou schade. Sie war mit Kindern und Freunden zur Zeremonie gekommen. „Wir schauen jedes Jahr die Übertragung der Großen Wasserweihe im Fernsehen an“, sagte sie. Da werfe der Patriarch von Konstantinopel, der höchste griechisch-orthodoxe Geistliche, ein Kreuz in den Bosporus. „Es ist toll, dass wir so was nun auch in unserer Stadt haben“, sagt die Restaurantbetreiberin aus Moabit. Während einige Männer altgriechische Formeln singen, spricht Pater Emmanuel das Gebet. Zum Termin sind auch der griechische Botschafter Tassos Kriekoukis sowie der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf Norbert Kopp (CDU) gekommen, in dessen Bezirk die einzige griechisch-orthodoxe Kirche Berlins steht.

In Großstädten wie München oder Hamburg wird die Wasserweihe schon seit ein paar Jahren begangen. Die 10 000 Berliner Griechen, die laut Pater Emmanuel überwiegend orthodox sind, mussten bis jetzt darauf warten. Dieses Jahr sind auch bulgarische und rumänische Gläubige dabei. „Nächstes Jahr wollen die arabischen, russischen und serbischen Orthodoxen dazukommen“, sagt der Archimandrit. Ferda Ataman

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