SONNTAGS um zehn : Der Segen des Kirschbaums Ein Schiffsgottesdienst

an der Greenwichpromenade in Tegel

Heidemarie Mazuhn

Um Gottes Segen ging es gestern auf der MS „Hanseatic“ – dem luftigen Ort der Schiffsgottesdienste der Berliner Stadtmission (auch am 1. Juli, 5. August, 2. und 30. September, jeweils 10 Uhr). Als Segen erschien manchem gestressten Büromenschen schon die idyllische Kulisse um die Anlegestelle an der Greenwichpromenade in Tegel. Während am Ufer die zahlreichen Entenfamilien noch ihre Morgenwäsche machten und wahre Spatzenheere eifrig nach ihrem Sonntagsfrühstück pickten, füllte sich der geräumige Schiffsbauch bis 10 Uhr besser als vermutlich manche Stadtkirche zur selben Zeit.

Auffällig viele Damen im sogenannten besten Alter besuchten den Schiffsgottesdienst, nach dessen letztem Amen die „Hanseatic“ in Richtung Potsdam in See stechen sollte. Auch an etwaige Kinder war gedacht – für die gab es einen Kindergottesdienst auf dem Schiff. In diesem spendete der Bläserchor der Stadtmissionsgemeinde Frankfurter Allee der aus vollem Herzen mitsingenden Gemeinde die musikalische Begleitung, bevor Pfarrer Hans Büsser das Wort ergriff – am Altar stehend, einem weißgedeckten Tisch mit Kerzenkandelabern, Blumen und einem schlichten Kreuz.

Das Wort Segen habe im Alltag viele Auslegungen, predigte der Pfarrer aus dem 4. Buch Moses, in dem da heißt: „Der Herr segne dich und behüte dich.“ So spreche man von Kindersegen, Geldsegen, dass etwas abgesegnet sei, jemand gesegneten Appetit habe – worum es auch immer gehe, es sei etwas Gutes damit verbunden. Er selbst habe erst am Sonnabend den Segen Gottes handgreiflich erfahren – auf seinem Kirschbaum, der vor Früchten überquelle. „Was mache ich nur mit dem Segen?“, habe er sich gefragt, erzählte der Pfarrer. Und predigte seiner Zufallsgemeinde dann anschaulich, dass nur Gott allein uns segnen und behüten, nur er uns im Gegensatz zu weltlichen Mächten Frieden geben könne. Wer sich aber im Frieden mit Gott, mit sich selbst und seinem Nächsten gesegnet fühle, solle andere daran teilhaben lassen. Seinen Segen verteilte gestern der Pfarrer ganz praktisch – beim Heimgang durfte jeder herzhaft in einen Korb mit Kirschen greifen. Heidemarie Mazuhn

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