SONNTAGS um zehn : Der Weg zum Leben in der Spandauer Vorstadt

Evangelische Sophiengemeinde hat Zuwachs – und sammelt für den Kirchturm

Kleinstädtisch sonntäglich still war es gestern vormittag in der Großen Hamburger Straße in Mitte. Und es waren auch keine Touristenströme, die gegen 10 Uhr der Sophienkirche zustrebten, sondern auffallend viele Eltern mit vorwiegend kleinen Kindern, die in der evangelischen Pfarrkirche der Spandauer Vorstadt Platz nahmen. Die Gemeinde des nach der Königin Sophie Luise benannten Gotteshauses profitiert ganz offensichtlich auch von jungen Zuzüglern mit Familiensinn im Kiez nordwestlich der Hackeschen Höfe.

Nur das Prunkstück der Sophienkirche ragte dort gestern eingehüllt über der sanierten Häuserpracht in den strahlend blauen Himmel – der letzte original erhaltene barocke Kirchturm Berlins musste wegen herabfallender Gesteinsbrocken bereits 2005 eingerüstet werden und deshalb auch Teile des alten Kirchhofs gesperrt werden. „Der Turm sind wir“ warb da am Sonntag am Kircheneingang ein Faltblatt um Spenden. 200 000 Euro muss die Sophiengemeinde zur denkmalgerechten Sanierung ihres stadtbildprägenden Wahrzeichens beisteuern, für die insgesamt eine Million Euro veranschlagt sind. Die wollen zum Großteil das Landesdenkmalamt und das Bundesprogramm für Städtebaulichen Denkmalschutz bereitstellen. Turmspenden sind also hoch willkommen.

Darum ging es aber nicht im Sonntagsgottesdienst – das turmhohe Problem fiel nur dem fremden Besucher ins Auge. In der Sophienkirche ging es gestern vielmehr nur um Liebe. Um die Liebe zu Gott, die nun auch der kleine Ben Johann pflegen soll – seit dem gestrigen ersten Sonntag nach Trinitatis das neueste Mitglied der Sophiengemeinde. „Gott ist die Liebe“, hatte Pfarrer Hartmut Scheel aus dem ersten Brief des Johannes zitiert, bevor er die Eltern und Paten mit dem Täufling vor den Taufstein am Altar bat, auf dem zwei üppige Pfingstrosensträuße im Kerzenschein leuchteten.

Nach der Taufe, dessen nasse Zeremonie das neue Gemeindemitglied sehr gelassen hinnahm, feierten die übrigen Winzlinge nebenan Kindergottesdienst, während der Pfarrer den Großen das Wort zum Sonntag predigte. In dem war dann auch vom Glauben als Weg zum Leben und von der Liebe im Namen Gottes die Rede. „Höre Israel, der Herr ist unser Gott“, las der Pfarrer aus dem 5. Buch Moses. Nicht der Einzelne sei darin angesprochen, führte er in seiner Predigt aus, „die Welt Gottes entsteht nur da, wo sie gemeinsam gelebt wird“. Wer sich auf diese Gemeinschaft einlasse und in diese Liebe ganz einbringe, spüre: Hier ist die Atmosphäre klar. hema

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