SONNTAGS um zehn : E-Mail an Gott

Die Zehn Gebote in der Französischen Friedrichstadtkirche.

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Am Anfang war das Wort: in einer E-Mail. Etwa 50 Menschen lauschen erst etwas skeptisch, dann lächelnd, wie Pfarrer Jürgen Kaiser fiktiv eine Korrespondenz mit Gott über das zehnte Gebot entfaltet: Was er damit gemeint habe, man solle nicht seines Nachbarn Frau, Sklaven, Esel und Pferd begehren? Ist doch kein Problem. Wer will schon einen Esel?

Über das Jahr hinweg haben die Französischen Kirche zu Berlin, die Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt, die Evangelische Akademie und die EKD gemeinsam eine Predigtreihe über die Zehn Gebote gestaltet. „In hugenottischer Tradition werden die Zehn Gebote jeden Sonntag im Gottesdienst vorgelesen“, erklärt Pfarrer Kaiser, „also wollten wir sie uns einmal genauer anschauen.“ Und das sieht so aus: Begehren, so beantwortet Gott seine E-Mail-Anfrage, war von Anfang an im Menschen angelegt. Schon Eva wollte allein aus Wissbegier die Frucht vom Baum des Lebens kosten. Aber ist das Begehren von Wissen etwa schlecht?

Naturwissenschaftler merken später im Gespräch über die Predigt an, dass viele wissenschaftliche Erkenntnisse zwei Seiten hätten. Ob Wissen gut oder gefährlich sei – die Folgen seien oft schwer abzuschätzen. Eine andere Frau spricht über ein ganz anderes Begehren: Es sei schwer, der aggressiven Werbung und dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten: „Was sage ich denn meinen Kindern, wenn sie nur mit einer bestimmten Kleidung in der Schule dazu gehören?“

Doch schließlich, so endet die fiktive E-Mail-Korrespondenz mit Gott, muss keiner das Begehren abstellen. Es ginge eher darum, es umzulenken – in eine andere Art von lustvollem Leben: „Habe ich Lust an Gottes Wort, seiner Liebe, meinem Leben, wie es ist? Dann muss ich nicht auf Nachbars Esel schielen“, so der Pfarrer.Katrin Arnholz

Die letzte Predigt der Reihe: „Die Summe des Gesetzes“ ist am Sonntag, 16. Dezember, 11 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche, Gendarmenmarkt 5.

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