SONNTAGS um zehn : Ehrerbietung für den Papst

Berlins Katholiken feiern Benedikts Amtsantritt vor fünf Jahren

Draußen auf dem Bebelplatz herrscht Kaiserwetter, drinnen in der St. Hedwigs-Kathedrale glänzt zum ersten runden Jubiläum von Papst Benedikt XVI. auf dem Stuhl des Heiligen Petrus der weihrauchgeschwängerte, orchestral untermalte liturgische Reichtum eines knapp zweistündigen Pontifikalamts. Großer Klerikerbahnhof also, angeführt von Kardinal Georg Sterzinsky und dem Gesandten des Heiligen Stuhls in Berlin, dem Apostolischen Nuntius Jean-Claude Périsset, drei reservierte Reihen für das diplomatische Korps.

Zum frohen Festgottesdienst wurde die Messe zum Jahrestag der Amtseinführung des ersten deutschen Papstes vor fünf Jahren jedoch trotz der mehrfach zitierten Nachosterfreude nicht. Zu präsidial und beschwörend fielen die Ansprachen aus. Kardinal Sterzinsky erinnerte an die Überraschung und dann auch die Begeisterung, die die Wahl Joseph Ratzingers bei den Deutschen auslöste. Das habe Benedikt damals gefreut und beflügelt, sagt Sterzinsky, „aber gerade dieser Mann ist viel zu nüchtern, um zu wissen, dass so eine Begeisterung nicht auf Dauer trägt“. Wirklich wichtig sei die Würde des Papststuhles, der für Moral, Ethik und Glauben stehe. Und dann versichert der Kardinal dem Papst die Treue der Berliner Katholiken, die in Petrus’ Nachfolger unverbrüchlich den Grundstein der Kirche sehen. Der Apostolische Nuntius macht aus seiner Predigt ein kleines Benedikt-Erklärseminar entlang der drei Enzykliken, die der Papst bisher verfasste. Sie seien wie Bergwerke, aus denen man geistliche Schätze heben könne, so Périsset. Benedikts Hirtenbrief an die irischen Katholiken, in dem er Missbräuche durch Priester streng verurteilt, sei genauso auch für Deutschland gültig.

Nur hat er hierher bislang keinen geschickt, wie nach dem Pontifikalamt ein paar Kirchgänger anmerken. Trotzdem halten sie ihn für einen guten Papst, „auf seine Art“. Etwas moderner könne er schon sein, sagt eine junge Frau. Ein älterer Mann lobt Benedikts klare Linie. Wobei? „Abtreibung, Glaubenslehre.“ gba

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