SONNTAGS um zehn : Ein biblischer Aufruf zur Freude

Ernste Worte, fröhliche Gemeinde: Eindrücke vom Adventsgottesdienst in der Elias-Kirche.

Sandra Stalinsky

Wer zum Gottesdienst der Elias-Kirche in Prenzlauer Berg kommt, hat schnell das Gefühl, in eine große Familie aufgenommen zu sein. Der Kuppelsaal ist in warmes, gelbliches Licht getaucht, am Eingang wird jeder persönlich begrüßt und mit Gesangbuch versorgt. Die Atmosphäre ist herzlich, Jüngere helfen Älteren aus dem Mantel, erkundigen sich, ob es nicht zu glatt sei, um zu Fuß zu kommen, jeder scheint hier jeden zu kennen.

Die Gemeinde ist klein aber bunt gemischt: Etwa 40 Gläubige sitzen auf den bequemen, rot bezogenen Stühlen, Alte neben Kindern, junge Paare neben älteren, dazwischen ein paar Jugendliche.

Der gestrige Gottesdienst zum vierten Advent war ausnahmsweise ein ökumenischer, der evangelische Gemeindepfarrer Seidenschnur überließ die Predigt dem katholischen Gastpfarrer Pehl. Dieser wollte die Gemeinde zur Freude aufrufen, ganz so, wie es der Predigttext aus dem Paulus-Brief an die Philipper vorsieht: „Freuet Euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet Euch!“

So sprach er von der großen Freude, die unsere Vorfahren um den vierten Advent herum ereilte, als sie dank der Wintersonnenwende nach einer langen Zeit der Dunkelheit und der kurzen Tage endlich wieder auf mehr Licht hoffen konnten. Eine Erlösungsfreude, die wir heute kaum noch nachvollziehen könnten, die wir allenfalls als Freude über die Erlösung vom Adventsrummel empfänden.

Außerdem beklagte Pfarrer Pehl, dass die Kirche die Freude früh aus ihren Gottesdiensten verbannt habe: „Von einer Feier des Gottesdienstes kann in vielen Gemeinden keine Rede sein, da empfangen die Gläubigen die Eucharistie vielmehr mit bierernster Miene, als ob es eine Henkersmahlzeit wäre.“

Das Problem, resümierte der Pfarrer, sei aber, dass man Freude nicht einfach anordnen könne. Und es schien fast so, als gelte diese Botschaft vielmehr ihm selbst als der Gemeinde. Die wirkte nämlich sehr froh und, nicht zuletzt wegen der herumtollenden Kinder, auch sehr lebendig, während der Pfarrer ein eher unfrohes Plädoyer für die Freude hielt.

Grund zur Freude gab es dennoch im Gottesdienst der Elias-Kirche, denn er wurde wunderbar musikalisch umrahmt: Begleitet von Violine, zwei Celli, Oboe, Orgel, gesungen von einer Sopranistin ertönten unter anderem die Sonate in F-Dur von Johann Friedrich Fasch und eine Weihnachtskantate von Georg Philipp Telemann.

Recht adventlich wurde es im Anschluss an den Gottesdienst. Da standen die Mitglieder der Kirchengemeinde bei Kaffee, Keksen und Christstollen noch ein wenig zusammen und die Kinder konnten ihren Eltern die im Kindergottesdienst nebenan selbst gebastelten Sterne zeigen. Sandra Stalinsky

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