SONNTAGS um zehn : Ein Lied kann eine Brücke sein

Ein Gottesdienst zur verbindenden Kraft der Musik in Charlottenburg

Barbara Schneider

Das Tutti ist gewaltig. Etwa 60 Sänger, begleitet von einer Orgel, schmettern in der Charlottenburger Luisenkirche ein Stück aus Claudio Monteverdis Marienvesper. Es ist ein großes, aus Alt und Jung, Grundschülern und Erwachsenen zusammengewürfeltes Ensemble. Die „Cantores Minores“ und der Berliner Figuralchor bringen an diesem Sonntag im Gottesdienst gemeinsam Teile aus dem 1610 veröffentlichen Sakralwerk zur Aufführung.

„Musik verbindet – von der interreligiösen Kraft der Musik“ ist das Thema des sogenannten Focus-Gottesdienstes, zu dem die Luisengemeinde die SPD-Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Chorverbandes Berlin, Petra Merkel, eingeladen hat. „Singen begleitet alle Lebensbereiche“, sagt die 63-jährige Reinickendorferin. „In jeder Lebenssituation wird gesungen – an der Wiege, in der Schule, wenn man liebt, eigene Kinder bekommt und beim Tod.“

Und dann verweist sie auf Konzerte für die Erdbebenopfer in Japan, erzählt vom Engagement des Berliner Straßenchores, der Obdachlosen wieder einen Platz in der Gesellschaft geben möchte. Sie berichtet aber auch von der Gründung von Seniorenchören und lädt zum Kunst- und Kulturfest „48-Stunden-Neukölln“ im Juni ein.

Merkel glaubt an die Kulturen verbindende Kraft der Musik. Besonders seit sie im vergangenen Jahr beim internationalen Chorfestival Zimriya in Jerusalem das gemeinsame Singen von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen erlebt hat. Das Verbindende und der Respekt voreinander habe im Vordergrund gestanden, nicht das Verschiedene, sagt sie. „Das Chorfestival hatte eine interreligiöse Kraft.“

Mit dem Focus-Gottesdienst will die Gemeinde Impulse für den interreligiösen Dialog in Berlin setzen. Ziel sei es, über ein interkulturelles Chorfestival und die Chancen für den interreligiösen Dialog nachzudenken, sagt Pfarrer Stephan Kunkel. „Warum nicht einmal mit türkischen Jugendlichen gemeinsam musizieren?“, sagt er. Während die Überlegungen des Pfarrers noch in den Kinderschuhen stecken, hat die Politikerin schon eine Idee in der Tasche: „Wo könnte man sich ein großes Chorfest besser vorstellen als in Berlin?“, fragt sie und ermuntert die Charlottenburger Christen: „Ich sehe das Potenzial dieser Gemeinde – gehen Sie voran.“ Barbara Schneider

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