SONNTAGS um zehn : Ein Meer aus Kerzen am Altar

Am Ewigkeitssonntag wird in Hermsdorf der Verstorbenen gedacht.

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„Ilse Bartel... Hildegard Damgart… Dr.Gerd Heinrich“. Ein Name nach dem anderen erklingt in der Apostel-Paulus-Kirche an der Wachsmuthstraße in Hermsdorf. Vor dem Altar zünden zwei Gemeindemitglieder Kerzen an. Leise, kaum hörbar spielt dazu die Orgel. In den Bankreihen des Gotteshauses herrscht Schweigen, hier und da hört man einen Gottesdienstbesucher leise schluchzen. Es ist Ewigkeitssonntag – der letzte Sonntag des Kirchenjahres, an dem die evangelischen Christen in ihren Gemeinden traditionell all jener Menschen gedenken, die sie im abgelaufenen Jahr zu Grabe getragen haben. „Kurt Schröder … Klaus-Dieter Schröder… Willy Schulz“. Bald ist der Ständer mit den Kerzen gut gefüllt: Niemand kann mehr unterscheiden, welche Kerze für welchen Verstorbenen angezündet wurde. In der Kirche brennt ein Lichtermeer. Und für jeden Toten ist ein Licht dabei.

„Gott erinnert sich ihrer Namen, unter denen sie bekannt und beliebt waren“, sagt Pfarrerin Sylvia von Kekulé, als sie vor das überdimensionale Kreuz aus dunklem Holz tritt, dass mit seiner eingeschnitzten Christusfigur den Blickfang im weißen, im Stil der 30er Jahre gehaltenen Kirchenschiff bildet. Schon zu Beginn des Gottesdienstes hatte sie die zahlreich erschienenen Kirchgänger daran erinnert, dass Lichter ein Zeichen der Hoffnung sind. Denn auch an diesem eher besinnlichen Sonntag leuchtete in der Apostel-Paulus-Kirche die Osterkerze, die die Hermsdorfer Christen am Fest der Auferstehung in ihrer Kirche entzündet hatten. „Die Osterkerze trägt die Botschaft von Christi Auferstehung“, sagte von Kekulé. „Sie zeigt, dass gerade in dieser dunklen Zeit voll Trauer das Licht Gottes für uns leuchtet.“ Und auch in ihrer Predigt spricht die Theologin über die Verstorbenen. „Am Ewigkeitssonntag erinnern wir uns an die Menschen, die gegangen sind oder die wir schon vor vielen Jahren gehen ließen“, sagt von Kekulé. „Mit dem Namen bleibt die Erinnerung an den Menschen, wie er war und wie er sich bewegte, an seine liebenswerten und weniger liebenswerten Eigenschaften.“ Gott kenne die Namen der Menschen. „Und weil er sie kennt, weil er sie weiß, hat er sie erlöst“, sagt von Kekulé. Bei ihm seien die Verstorbenen aufgehoben. Er verspreche, bei den Menschen zu sein, auch auf dem Weg, den Lebende nicht gehen können. „Gott hat unsere Verstorbenen bei der Hand genommen“, sagt von Kekulé. „Die Kerzen werden verlöschen, aber die Namen derer, für die wir sie angezündet haben, werden bleiben: in unseren Herzen und bei Gott.“ Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Netz: www.ekibh.de

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