• SONNTAGS um zehn: Ein Stück vom Himmel am Müggelsee Dankbare Friedrichshagener in der Christophorus-Kirche

SONNTAGS um zehn : Ein Stück vom Himmel am Müggelsee Dankbare Friedrichshagener in der Christophorus-Kirche

G,a Bartels

Auf zur Bastelstunde in die evangelische Christophorus-Kirche: Neben dem Gesangbuch und einem Liedblatt bekommt jeder am Eingang einen bunten Pfeil aus Pappe und einen Stift gereicht. Passend zum Kulturfestival, das Friedrichshagen rund um die ausnahmsweise autofreie Bölschestraße feiert, geht es heute in der geräumigen Backsteinkirche um das Thema „Kirche im Ort und Ort in der Kirche“. „S Berlin-Friedrichshagen“ steht in großen Buchstaben auf einem Schild, das am Altar aufgebaut ist.

Die Leute kommen zahlreich und guter Laune. Viele Enkel mit ihren Großeltern sind darunter. Und wie sich schnell hören lässt, haben sie Freude am Singen.

In einer kleinen Spielszene unterhält sich ein Friedrichshagener mit einer Besucherin, die 20 Jahre lang nicht da war und wissen will, was sich hier verändert hat. Der Mann erzählt ihr, was Bürgerinitiativen seit der Wende alles im Bezirk bewegt haben und wie sehr die Leute ihr grünes Dorfidyll am Müggelsee lieben.

„Und was gefällt Ihnen an Friedrichshagen besonders gut?“, fragt Pastorin Susanne Graap und fordert alle auf, ihre Antworten auf die Papppfeile zu schreiben. Schließlich werden die Pappen eingesammelt und präsentiert. Heraus kommt ein buntes Potpourri an Bürger-Dankbarkeit. Das durch viel Engagement gerettete und erfolgreich wiederbelebte Kino Union taucht gleich mehrfach auf, auch die „gut sortierte Stadtteilbibliothek“ wird genannt und der Müggelsee natürlich. Einer freut sich über die „offenen, kreativen Menschen“, einer ganz pragmatisch über „Commerzbank, Rossmann und Apotheke“, und jemand dankt „für die Pflege wilder Katzen“. Aber das Beste an der ganzen Aktion ist ihre Selbstverständlichkeit.

In der Predigt der Pastorin geht es dann nahtlos weiter mit dem Wir-Gefühl. Stammvater Jakob träumt in einer Geschichte aus dem Alten Testament von einer Himmelsleiter. Und obwohl er sehr erschöpft vom Reisen ist, errichtet er Gott zu Ehren ein kleines Haus an jener Stelle, wo er geträumt hat. Die Kraft der Träume sei es, die Unmögliches möglich mache, sagt die Pastorin. Mit ihr könnten engagierte Menschen in Friedrichshagen und Berlin ein Stück vom Himmel sichtbar machen.

Nach so viel herzerwärmender Utopie fallen die Fürbittgebete hinterher erfrischend direkt aus. Da geht es gegen „zu hohe Mieten für kleine Geschäfte“ in der Bölschestraße und gegen „die den Naturschutz gefährdende Kommerzialisierung des Müggelsees“. Dann strömen alle raus in die Sonne, wo die Bläser tuten und die Gulaschkanone des Gemeindefestes dampft. Auf dem Bürgersteig kämpfen ein paar wackere Picknicker mit dem Wind, der an ihrer Wolldecke zerrt. Das muss die frische Brise sein, die durch Friedrichshagen weht. Gunda Bartels

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