SONNTAGS um zehn : Eine Gottesmutter für alle

Mariengottesdienst in Alt-Reinickendorf

Barbara Schneider

So viel Maria in einem evangelischen Gottesdienst gibt es selten: Schon zum Einzug erklingt sanft der „Gruß der Königin“ aus dem im 15. Jahrhundert entstandenen Buxheimer Orgelbuch. Später singt Bariton Mario Oliver Bohnhoff das „Ave Verum“ von Mozart und Schuberts „Ave Maria“. Während die katholischen Gemeinden Land auf, Land ab das Hochfest Mariä Himmelfahrt begehen, feiert auch die evangelische Dorfkirche in Alt-Reinickendorf einen „Musikgottesdienst mit Maria“.

„Heute ist Mariä Himmelfahrt für viele das katholischste aller Feste“, sagt Pfarrer Burkhard Bornemann in seiner Predigt, die in weiten Teilen einem kirchengeschichtlichen Referat gleicht. Im 5. Jahrhundert hat Patriarch Cyrill ein Marienfest am Tag eines heidnischen Himmelfahrtsfestes eingeführt, erklärt Bornemann. Erst 1950 dann erhob Papst Pius XII. das Fest von Mariens Aufnahme in den Himmel zum Dogma, zum Lehrsatz für die katholischen Christen.

Bornemann will Maria aber nicht der katholischen Kirche überlassen: „Maria ist zunächst eine biblische Gestalt und damit wichtig für alle christlichen Glaubensrichtungen“, sagt der Pfarrer und verweist auf das Leben der Mutter Jesu: auf die wundersame Schwangerschaft, die Obdachlosigkeit bei der Geburt Jesu, die Flucht nach Ägypten sowie das spätere Unverständnis über das Verhalten des Sohnes. „Marias Glauben kann uns Vorbild sein in Situationen, wo wir nicht sehen, was Gott mit uns vorhat“, sagt Bornemann. „Wir brauchen alle Menschen, in denen wir die Nähe Gottes erkennen.“

In der Dorfkirche liegt das Durchschnittsalter an diesem Sonntag weit über sechzig. Mit lauter Stimme moderiert Bornemann den Gottesdienst. Nach den letzten Tönen von Bachs „Ave Maria“ wechseln viele Besucher mit Pfarrer und Musiker noch ein paar persönliche Worte. Barbara Schneider

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