Sonntags um zehn : Gedenken an den Kriegsbeginn

Zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs hatten die katholischen Bischofskonferenzen Deutschlands und Polens zu einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst in die Hedwigs-Kathedrale eingeladen.

Benjamin Lassiwe

Der Chor der Sankt-Hedwigs-Kathedrale sang im Gottesdienst ebenso wie der Chor der polnischen katholischen Mission. Frauen in polnischer Tracht trugen zur Vorbereitung der Eucharistie die Hostienschalen zum Altar. Und der Bischof des polnischen Bistums Tarnow, Wiktor Skworc, predigte zu den Gottesdienstbesuchern: „Wir wollen nicht den Fehler begehen, die Geschichte neu zu verurteilen, die Opfer neu aufzuzählen und so das Leid zu messen“, sagte Skworc. „Wir wollen zu Gott um Frieden rufen, für uns und für die Welt.“

Zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs hatten die katholischen Bischofskonferenzen Deutschlands und Polens zu einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst in die Hedwigs-Kathedrale eingeladen. Dazu hatten sich sechs Fernsehkameras und dutzende Fotografen in der Kathedrale aufgebaut, die die Gäste des Gottesdienstes, darunter Bundespräsident Horst Köhler und die ehemalige Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan, mit ungewohnt viel Licht und Lärm empfingen.

Der polnische Bischof erinnerte in seiner Predigt auch an schwarze Flecken der deutsch-polnischen Geschichte in der Nachkriegszeit: Kriegsopfer seien auch die „Zwangsausgesiedelten, die Deportierten, die Exilierten“. Und niemand habe das Recht, ihre Leiden zur „Erreichung von politischen Zielen instrumentell auszunützen“, sagte er – wohl an die Adresse der CDU-Politikerin Erika Steinbach und das von ihr geleitete Zentrum gegen Vertreibungen gerichtet. Skworc dankte den Deutschen, die sich in den achtziger Jahren für Flüchtlinge aus Polen einsetzten und das Land, „dem Hoffnungslosigkeit drohte“, mit „Brot und solidarischer Liebe“ unterstützten.

Als sie nach Hause gingen, hörten die Gottesdienstbesucher die Glocken der benachbarten Marienkirche am Alexanderplatz – wo die Evangelische Kirche ebenfalls zu einem Gottesdienst zum Gedenken an den Kriegsbeginn eingeladen hatte. „Wir feiern diesen Gottesdienst in der katholischen Liturgie. Wir wissen uns dabei mit unseren evangelischen und orthodoxen Schwestern und Brüdern verbunden“, hatte der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, zu Beginn des Gottesdienstes erklärt. „Auch Schwestern und Brüder anderen Glaubens beten wie wir um den Frieden. Das stärkt. Dafür danken wir!“ Warum man nicht einfach gemeinsam feierte, erklärte Schick dagegen nicht.

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