SONNTAGS um zehn : Gedenken an die Schoah

Gottesdienst mit Alexander Nachama in Spandau

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Klagend hallte das jüdische Totengebet durch die Gnadenkirche im Spandauer Ortsteil Pichelsdorf. Mit seiner Baritonstimme sang Alexander Zakharenko den Trauergesang für die Opfer der Schoah, zählte Konzentrationslager und Ghettos namentlich auf. Am Sonntag nach dem Holocaust-Gedenktag wollte die Evangelische Weinbergkirchengemeinde, der die Gnadenkirche gehört, wie in den vergangenen Jahren der Millionen Toten der Schoah gedenken. Und ganz besonders auch der 105 Spandauer Juden, die den Nationalsozialismus nicht überlebten.

Als Prediger hatten sich die Protestanten deswegen Alexander Nachama eingeladen, den Enkel des unvergessenen Oberkantors Estrongo Nachama. Am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg wird er derzeit zum Rabbiner ausgebildet. Zum ersten Mal überhaupt stand er auf der Kanzel einer christlichen Kirche – und sprach über die Erinnerung. „169 Mal finden wir den Begriff Erinnerung in der Tora, den fünf Büchern Mose“, sagte Nachama vor den voll besetzten Stuhlreihen der schlichten Neubaukirche. „Wir sollten stets bemüht sein, aus der Vergangenheit zu lernen – wenn Menschen das nicht tun wollen, führt das immer wieder zu Katastrophen.“

Selbst erinnerte Alexander Nachama an seinen Großvaters Estrongo: Aus seiner Zeit im KZ, Kindheit und Jugend habe er nur sehr selten berichtet. „Kein einziges Mal hörte ich ihn davon erzählen“, sagt Nachama. Dennoch berichtete der Enkel vom Leben des Großvaters, von dessen Überleben im KZ und seiner Befreiung nach dem Todesmarsch der Auschwitz-Häftlinge. Denn es sei wichtig, persönlicher Schicksale zu gedenken: „So tragen wir dazu bei, dass die Erinnerung nicht erlischt und auch für künftige Generationen erhalten bleibt.“ Die Kirchengemeinde will das auch weiter tun: Für den Israelsonntag im August ist der nächste Gottesdienst unter Beteiligung jüdischer Geistlicher geplant. Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Internet

www.weinberggemeinde.de

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