SONNTAGS um zehn : Genug für alle

Start der 50. Sammlung von „Brot für die Welt“

Gunda Bartels

Großer Auftrieb vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg. Eine Stunde vor dem Gottesdienst stauen sich am Eingang schon die Besucher und werden in Honoratioren und gewöhnliche Gemeindeglieder mit entsprechend gestaffelten Sitzplätzen unterteilt. „Brot für die Welt“, die Hilfsaktion der evangelischen Kirche, feiert hier den Start ihrer 50. Spendenaktion, die traditionell am ersten Advent beginnt.

Und weil der Festgottesdienst zum Jubiläum live in der ARD übertragen wird, herrscht strenge Organisation. Grelle Schweinwerfer erleuchten angespannte Mienen und überall in der Kirche drapierte „Brot für die Welt“-Banner. Da fällt die erste brennende Kerze auf dem Adventskranz vorm Altar kaum auf. Zum Glück gibt Angelika Obert vom evangelischen Rundfunkdienst ein paar Minuten vor Gottesdienstbeginn nicht nur Regieanweisungen, sondern spricht auch ein erlösendes Wort: „Es ist Advent und da darf sich ruhig Freude auf den Gesichtern wiederspiegeln.“ Da lacht das Publikum und verwandelt sich für kurze Zeit in die frohe Festgemeinde, die eine weltweit geschätzte Hilfsaktion wie „Brot für die Welt“ verdient. Immerhin sind in 50 Jahren für Hungernde und Hilfsbedürftige knapp zwei Milliarden Euro für 20 000 Hilfsprojekte zusammengekommen. Gefeiert wird das im Gottesdienst mit warmen Worten, festlicher Musik und einer laut beklatschten Tanzeinlage, die Palmwedel schwingende Jugendliche als eine Art christliches Fernsehballett in der geräumigen Backsteinkirche aufführen.

Die Predigt nach einigen wacker geschmetterten Adventsklassikern hält der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Er feiert den Gottesdienst flankiert von mehreren Pastorinnen, sowie einer bunten Schar von Bischöfen und Gästen aus Kenia, Ägypten, Rumänien, Kolumbien, Argentinien und Asien. 50 Jahre „Brot für die Welt“ in Berlin zu feiern, sei selbstverständlich, so Huber. Denn in der Deutschlandhalle fing 1959 alles an. Dort habe Bischof Otto Dibelius vor 14 000 Menschen bei der Gründung des Hilfswerks auf große Milchpulvertonnen gezeigt. Die kamen einst aus den USA, um die Not der hungernden Nachkriegsberliner zu lindern. Und nun schickten die inzwischen wieder satten Deutschen sie neu gefüllt aus Dankbarkeit an die Hungernden der Südhalbkugel.

Dass die keine Almosenempfänger mehr sind, sondern selbstbewusste Partner der Hilfsaktion, zeigen die Geistlichen und Gäste aus Lateinamerika oder Afrika. Sie danken für die Hilfe aus dem reichen Westen, aber fordern vorm Altar Armenrechte als Menschenrechte, fairen Handel und vor allem eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung. „Es ist genug für alle da“ lautet das Motto der 50. Sammelaktion. Gunda Bartels

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