SONNTAGS um zehn : Hilfe durch Gottvertrauen

Der Sonntag der Diakonie wurde in der Marienkirche begangen.

Benjamin Lassiwe

Vor Beginn des Gottesdienstes gab es Verhaltensregeln. „Bitte bleiben Sie während des gesamten Gottesdienstes sitzen, auch wenn es ungewohnt ist“, sagte Vikarin Christina-Maria Bammel den Menschen in der Marienkirche. „Und schalten Sie ihr Handy aus!“ Denn überall im Gotteshaus am Alexanderplatz waren Mikrophone aufgebaut: Zum „DiakonieSonntag“ wurde der Gottesdienst vom RBB im Radio übertragen.

Zur Zeit des Diakonie-Pioniers Johann Hinrich Wichern gab es diese Technik noch nicht – doch gespielt vom Stiftsvorsteher des Evangelischen Johannesstifts, Martin von Essen, wirkte auch der Gründer der kirchlichen Sozialarbeit im Gottesdienst mit. In Hamburg hatte Wichern zu Beginn des 19. Jahrhunderts das „Rauhe Haus“ geschaffen, eine Einrichtung, die sich um Kinder aus mittellosen Familien kümmerte. „Auch heute nimmt die Zahl der verwahrlosten Kinder zu, die Zustände in den Strafanstalten werden schlimmer – und warum muss es in diesem reichen Land eigentlich immer mehr arme Menschen geben?“, gab von Essen den Gottesdienstbesuchern einen Denkanstoß, bevor Bischof Wolfgang Huber die Kanzel zur Predigt bestieg. Dieser erinnerte die Gottesdienstbesucher an das Vertrauen auf Gott, das bei Wichern damals „umstürzende Folgen“ hatte. Doch auch heute gebe es keinen Zwang, „mühselig und beladen“ zu sein, wie man nicht zuletzt in der Marienkirche sehen könne, wo seit 14 Jahren rund 3000 Menschen pro Jahr regelmäßig die Suppenküche der Gemeinde nutzen.

Und nach dem Gottesdienst dankte die Diakonie denen, die es möglich machen, dass arme Menschen auch heute noch Gottvertrauen haben dürfen: Stellvertretend für viele andere wurden 14 engagierte Ehrenamtliche aus Berlin und Brandenburg mit der Wichern-Plakette der Diakonie ausgezeichnet, weil sie sich „außerordentlich, herausragend und richtungsweisend“ für ihre Nächsten engagierten, wie Diakonie-Direktorin Susanne Kahl-Passoth hervorhob. Geehrt wurden der im Kirchenkreis Spandau in der Kindertagesstättenarbeit engagierte Dietrich Bernd, die ehrenamtliche Leiterin der Ukraine-Hilfe in Lobetal bei Bernau, Elisabeth Kunze, Luckaus Bürgermeister Harry Müller und der ehemalige Landesbischof Martin Kruse, der auch in seinem Ruhestand in diversen Diakonie-Gremien tätig ist. Benjamin Lassiwe

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben