SONNTAGS um zehn : Hoffnung im Leid

Gottesdienst im Diakonissen-Mutterhaus Lazarus am Volkstrauertag

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Auf ihren Köpfen tragen sie die weiße Haube mit den Bügelfalten – manche mit aufrechtem Gang, andere schon vom Alter gebeugt. Seit über 100 Jahren leben die Schwestern des Diakonissenmutterhauses Lazarus an der Bernauer Straße im Wedding. Sonntag für Sonntag lesen sie in ihrer Kapelle den Bibelvers an der Wand neben dem Altar: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Und Sonntag für Sonntag lesen sie die Namen der Schwestern, die vor ihnen waren, auf den Holztafeln an der Kapellenwand.

So war es auch gestern, am Volkstrauertag, als Pfarrerin Martina Gern zu Gast bei den Diakonissen war. In ihrer Predigt erinnerte sie an die Bedeutung dieses Tages: Das Gedenken an die Kriegstoten und die Opfer des Nationalsozialismus. „Wir haben Väter und Söhne verloren“, sagte Gern. Das sei Anlass genug für Trauer und das öffentliche Bekenntnis: Nie wieder Krieg. „Nie wieder darf es eine Verfolgung von jüdischen Menschen, Zigeunern, Homosexuellen und Obdachlosen geben“, betonte Gern. Dann zitierte die Theologin den Apostel Paulus: „Das Leben ist eine Leidenszeit, anders haben wir es nicht.“ Gern sprach über die Bombardements von Dresden und Coventry im Zweiten Weltkrieg. Die Pfarrerin predigte über den fehlenden Frieden im Land der Bibel und die Friedensgebete in der DDR. Sie sprach über die Schädigung der Umwelt und die abnehmende Ozonschicht.

Doch gegen alle Leidenserfahrung habe der Apostel Paulus die christliche Hoffnung auf ein Leben in der Ewigkeit gesetzt, betonte Martina Gern. „Wer von der Hoffnung auf Leben erfüllt ist, kann die Wehen der Welt durchhalten.“ Ganz so, wie es die Schwestern des Lazarus-Diakonissenmutterhauses taten, die ihr ganzes Leben lang gegen das Elend in den Berliner Arbeiterquartieren kämpften. Benjamin Lassiwe

Gottesdienste So. 10 Uhr, Andachten Mo. 8 Uhr, Di.-Fr. 7:30 Uhr, Kapelle: Bernauer Straße 115. www.lazarus-diakonie.de

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