Berlin : Sonntags um zehn: Im Herbst an die Sterblichkeit erinnert

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Allerseelen hin, Totensonntag her: Auch im November ist es keine leichte Aufgabe, über Tod und Vergänglichkeit zu sprechen. Hat nicht der Stadtmensch längst das Gespür für die Jahreszeiten verloren, für den Herbst, der ihm seine Vergänglichkeit vor Augen führen soll? Dunkelheit und Kälte? Neonlicht und Zentralheizung! Und wenn dann auch noch die Sonne strahlt und der Himmel sich blau über der Stadt wölbt, dann wird die Aufgabe des Predigers nicht leichter.

Ernst Pulsfort, geistlicher Rektor der Katholischen Akademie, sprach gestern in der Akademiekirche "Hl. Thomas von Aquin" über Tod und Vergänglichkeit. In einem Gotteshaus, das so wenig Mahnendes und schon gar nichts Einschüchterndes oder Bedrohliches an sich hat. Heller Stein und helles Holz, weißer Beton, ein Kreuz aus Elfenbein. Tod und Vergänglichkeit also. Pulsfort nennt Rilke und Hebbel als Zeugen einer Zeit, als der Mensch den Lauf der Jahreszeiten noch wahrnahm. Das Herbstlaub, die letzte Rose des Sommers, die so tief im Leben steht und doch dem Tode schon so nah ist.

Es sind solche Zeichen, "verneinende Gebärden", wie Pulsfort sie nennt, die heute fehlen. Denn sie beinhalten - wieder macht es Rilke vor - die Erkenntnis, dass "da noch einer ist", dass da mehr ist als der Tod. In Zeiten scheinbar unbegrenzter technischer und wirtschaftlicher Möglichkeiten hat sich die Kirche auf solche "verneinenden Gebärden" spezialisiert. Und sie kommt dabei ganz gut ohne Drohung und Einschüchterung aus. Das ist tröstlich, auch für Stadtmenschen, gerade im November.

Katholische Akademie, Hannoversche Straße 5 in Mitte. Messe in der Akademiekirche "Hl. Thomas von Aquin" jeden Sonntag um 12 und um 18 Uhr (Künstlergottesdienst) sowie dienstags um 8.30 Uhr. Jeden Tag um 12 Uhr Mittagsgebet. Beim Akademieabend am 15. November um 19 Uhr ist die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel zu Gast. Für den 20. November wurde Bundeskanzler Schröder eingeladen.

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