SONNTAGS um zehn : Im Zeichen der Versöhnung

Freiwillige der Aktion Sühnezeichen verabschiedet.

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Laszlo geht in eine Gedenkstätte in Antwerpen, Julius ins Holocaust-Museum nach Washington. Leila unterstützt einen Kindergarten für Behinderte in Israel und Schoah-Überlebende in Jerusalem. Und Alexandrina arbeitet in Amsterdam in einem Projekt für Drogenabhängige mit und kümmert sich um die Bewohner eines jüdischen Altenheims.

Ein Jahr lang wollen die Berliner Jugendlichen einen Freiwilligendienst im Ausland leisten. Sie sind vier von 180 jungen Menschen, die sich in der vor mehr als 50 Jahren in Berlin gegründeten „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ engagieren. In der Sonntagsmesse der katholischen Hedwigskathedrale wurden sie in ihren Dienst verabschiedet. „Aktion Sühnezeichen engagiert sich überall dort, wo Menschen unter dem Nationalsozialismus gelitten haben“, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin Jutta Weduwen den gut 300 Gottesdienstbesuchern. Bis Ende August 2013 wollen sich die jungen Berliner im Ausland engagieren, so wie es Zehntausende vor ihnen fast überall auf dem Globus taten.

Für Dompfarrer Arduino Marra war das ein Anlass, die Gemeinde an die besondere Verbindung der Kathedrale mit der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern: „Bei uns liegt ja der selige Bernhard Lichtenberg, der umgekommen ist, weil er sich öffentlich für die Juden eingesetzt hat.“ Beziehungsarbeit, wie sie die Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen leisten, war dann auch das Thema der gestrigen Predigt. Marra sprach über das Markus-Evangelium, das davon berichtet, wie Jesus einen Taubstummen heilte: „Er sucht den Kontakt mit dem Fremden. Er tritt mit ihm fest und eindringlich in eine Beziehung.“ Der Taubstumme reagiere darauf, trete aus seiner Passivität heraus. Und Jesus schaue zum Himmel und stelle dadurch eine Beziehung zu seinem himmlischen Vater her. „Wir wissen, wie schwer es ist, mit unseren Mitmenschen in einer Beziehung zu bleiben“, sagte Marra. „Das gilt besonders dann, wenn uns die andere Person auf die Nerven geht – weil sie anders ist als wir.“

Natürlich kam auch eine andere Beziehung zur Sprache: die zu Jesus und Gott, der in ihm zum Menschen geworden sei. Gott habe nicht nur vor 2000 Jahren durch Jesus gewirkt, betonte der Dompfarrer. Er sei auch heute anwesend, etwa in der Feier der Eucharistie, die Jesus selbst begründet habe. „Und wenn wir es wagen, in eine lebendige Beziehung zu Jesus zu treten, werden auch wir geheilt.“

Am Ende der Heiligen Messe schlug der Pfarrer noch einmal die Brücke zu den Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen: Er wünsche ihnen, dass es ihnen gelinge, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und mit der Kraft Gottes den Dienst der Versöhnung zu leisten. Benjamin Lassiwe

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