SONNTAGS um zehn : In die ganze Stadt gesandt

Bertold Höcker tritt sein Amt als Superintendent an

Mit gefalteten Händen, gesenktem Kopf, aber auch einem Lächeln auf den Lippen ging Bertold Höcker zur Kanzel der Marienkirche. Lange mussten die Christen in der Berliner Innenstadt darauf warten, am Sonntagnachmittag war es soweit: In einem feierlichen Gottesdienst führte Berlins Generalsuperintendent Ralf Meister den Kölner Pfarrer Höcker in das Amt des Superintendenten des Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte ein. Seit November 2008 war es vakant: Damals ging Höckers Vorgänger, Lothar Wittkopf, in Pension. Doch die Wahl eines Nachfolgers scheiterte im ersten Anlauf. Erst im Juni wählte die Kreissynode Bertold Höcker an die Spitze des 96 000 Mitglieder zählenden Kirchenbezirks, zu dem 27 Gemeinden in Mitte, Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Tiergarten gehören.

In seiner alten Heimat war Bertold Höcker ein beliebter Mann. Über 30 Kölner waren nach Berlin gekommen, um ihm Glück zu wünschen und zu seinem neuen Amt zu gratulieren. Die ökumenische Choralschola Köln bereicherte den Gottesdienst mit gregorianischen Gesängen, deren gleichmäßiges Latein noch lange in der alten Berliner Bürgerkirche nachhallte. Der beste Freund Höckers, Jens Meyer, sprach ebenso ein Segenswort wie alte Kieler Weggefährten, etwa die Vizepräsidentin des Nordelbischen Kirchenamtes, Frauke Hansen-Dix. Dann war es soweit: Unter den Trompete spielenden Triumphengeln, die die Kanzel der Marienkirche schmücken, hielt der neue Superintendent seine erste Predigt. Kurz war sie und frei gesprochen. Im Zentrum stand ein Wort aus dem biblischen Buch des Propheten Jeremiah: „Suchet der Stadt Bestes.“ Für den als unkonventionell geltenden Pfarrer, der in Köln sogar spezielle Gottesdienste für Schwule und Lesben eingeführt hat, ist das Bibelwort eine Aufforderung an die Kirche, sich um die Menschen zu kümmern. „Die Menschen sind das Beste der Stadt“, sagte Höcker. Die persönliche Individualität jedes Einzelnen sei ein Schatz, den es zu heben gelte. „Der Stadt Bestes zu tun ist nichts anders, als die persönliche Berufung zu leben und Mensch zu sein.“

Nach dem Gottesdienst allerdings hieß es warten. Denn fast jeder der mehreren hundert Kirchgänger wollte dem neuen Superintendenten noch ein paar persönliche Worte mitgeben. Vor dem Ausgang der Kirche bildete sich eine lange Schlange. Doch wer das mit Geduld ertrug, den entschädigte am Ende eine schöne Aussicht: Nach dem Gottesdienst in der Marienkirche hatte der Kirchenkreis Stadtmitte zu einem Empfang ins Drehrestaurant des Fernsehturms geladen. Schließlich sei es Aufgabe der Christen, die ganze Stadt im Blick zu haben, meint der neue Superintendent. Benjamin Lassiwe

Der Kirchenkreis im Internet: www.kkbs.de

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