SONNTAGS um zehn : Junge Botschaft

Familiärer Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche

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Ost-Rom ist ganz nah. Nämlich in der Fehrbelliner Straße in Prenzlauer Berg. Sonnenlicht fällt an diesem schönen Sonntagvormittag durch die Fenster auf die neobyzantinischen Rundbogen und Wandgemälde der Herz-Jesu-Kirche, das Licht schwebt im Raum und verleiht der sakralen Atmosphäre zusätzliche Tiefe. Das massige Gerüst, das sich zur Zeit über den Chor spannt, gewinnt da eine Leichtigkeit, mit der es gar nicht mehr weiter auffällt. Auch auf die Häupter der Gläubigen fällt das Licht, und das sind nicht wenige. Alle Bänke sind gut besetzt, die Gemeinde hat großen Zulauf.

Seit 1994 richten die Brüder der katholischen französischen Gemeinschaft Chemin Neuf die Gottesdienste aus, und das machen sie anscheinend so gut, dass breite Bevölkerungsschichten angezogen werden. Viel braunes und schwarzes Haar ist zu sehen, kaum graues. Es sind viele Singles und junge Paare, sie tragen Sandalen, Turnschuhe, Rock, kurze Hose: Die Gemeinde Herz Jesu ist ein Abbild der bunten Neuberliner Mischung, die Prenzlauer Berg seit der Wende bevölkert. Und dann sind da die Kinder. Mancher Knirps ist noch kein Jahr alt, mit Sabberlatz lehnt er an der Schulter der Mutter und blickt mit großen Augen auf die Geschehnisse am Altar. Trotz Mikrofon geht die Stimme von Pater Jacek Mleczko fast unter, weil immer irgendein Kind weint, schreit oder lacht. Die Töne steigen auf in die Halle und werden von den Wänden verstärkt wiedergegeben. Das stört niemanden, im Gegenteil, was kann einer Gemeinde Besseres passieren, als viele Kinder zu haben?

Seine Botschaft kann Mleczko trotzdem rüberbringen. Den von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg nimmt er zum Anlass, über die Abhängigkeit des Menschen zu sprechen – abhängig vom Strom, vom Internet, von Facebook. „Jede Abhängigkeit schränkt unsere Freiheit ein“, sagt er, um dann gleich auf Gott zu kommen: Nur wenn wir ihn als Quelle aller Dinge erkennen, werden wir frei sein. Ihm nahe sein, eine Beziehung zu ihm aufbauen, das sei ohne Gebet nicht möglich. „Wir sollten Gott wie einen Freund behandeln, dem wir alles Wichtige sagen.“

Draußen auf der Straße. Martina Krause vom Gemeinderat schüttelt viele Hände. „Gut besucht finden sie das? Bei dem Wetter verlassen viele die Stadt. Das war noch wenig.“ Udo Badelt

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