SONNTAGS um zehn : Karibisches Feeling in Neukölln Weltgebetstagsgottesdienst

in der Martin-Luther-Kirche

G,a Bartels

Dass Neukölln in den Tropen liegt, ist neu. In Südamerika, um genau zu sein. Die Martin-Luther-Gemeinde in der Fuldastraße feiert einen bunten, ökumenischen Gottesdienst zum Weltgebetstag. Und den haben dieses Jahr Frauen aus Guyana gestaltet: Lieder, Gebete – die ganze Gottesdienstordnung. Und die wird an diesem Wochenende auch in 170 anderen Ländern von Christinnen übernommen.

Die Weltgebetstagsbewegung gibt es seit 1927. Sie sammelt jedes Jahr Millionen Euro für die weltweite Frauenarbeit. In Neukölln ergießen sich blaue Stoffbahnen vom Altar hinunter in die Kirche. Schmetterlinge, Federn und Blüten komplettieren die Regenwalddeko. Und dann macht Pfarrerin Monika Weber die Animateurin und verwandelt die aufgekratzten Kirchgänger in eine Gymnastikgruppe: zu heißen Rhythmen ist Hüften wiegen und Arme wedeln angesagt.

Das Leben im von Armut und ethnischen Konflikten geplagten Tropenparadies ist alles andere als paradiesisch. Deshalb haben sich die Frauen am Buch Hiob abgearbeitet. Hiob verlor Reichtum, Familie und Gesundheit und kotzte Gott sein Unglück vor die Füße, wie Pfarrerin Weber sagt. Erst durch diesen befreienden Zorn lernte er, Gott und Welt in größeren Zusammenhängen zu sehen und Weisheit und Tatkraft zu gewinnen. Ein ziemlich provokanter Bibelheld – nach Neukölln passt er genau so gut. Gunda Bartels

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