Berlin : Sonntags um zehn: Kein einsamer Rufer in St. Hedwig

Michael Braun

Ein einsamer Rufer in der Wüste ist Prälat Walter nicht. Obwohl zu seiner St.-Hedwigs-Gemeinde in Mitte nur gut 1000 Katholiken gehören, ist die Kirche voll besetzt, gerade an einem so schönen Sonntagmorgen zieht die Kathedrale viele Berlinbesucher an. Ein bisschen seltsam sieht es ja innen schon aus mit dieser leicht elliptisch gekrümmten Kuppel in Stahlbeton.

Am zweiten Adventssonntag geht es im Evangelium um Johannes den Täufer, der einsam in der Wüste den Anbruch eines neuen Zeitalters verkündet, die Ankunft Gottes. Advent ist lateinisch und heißt Ankunft, und so predigt Walter über das anstehende Weihnachtsfest. "Weihnachten ist mehr als ein humanistisch angewöhntes Ritual, es geht darum, dass Gott uns seinen Sohn schenkt," sagt der Prälat, also die alte Warnung vor der Verweltlichung und Kommerzialisierung dieses Festes, und dann noch in verschiedenen Formulierungen der Auftrag, Gott wirklich zu suchen und ihm näher zu kommen.

Aber wie geht das in unserer Zeit, möchte man den Pfarrer fragen, geben Sie uns doch ein paar Tipps, was den Menschen heute das Weihnachtsfest bedeuten kann oder wie man es mit sinnvollen Inhalten füllen soll. Da war die Predigt wenig hilfreich, zu allgemein, sie hätte auch zu jedem anderen Thema so ausfallen können.

Die Fürbitten hingegen lassen keinen Zweifel aufkommen, was richtig oder falsch ist. Man betet "für alle, die nicht glauben, damit sie die Wahrheit erkennen." Was hätte Friedrich II., Freund der Aufklärung, dazu gesagt? Der König hatte ursprünglich die Idee, einen sakralen Raum nach Vorbild des römischen Pantheon zu errichten, in dessen Nischen die verschiedenen Religionen ihren Gottesdienst abhalten könnten.

Unabhängig davon, ob Sie die Wahrheit erkannt haben oder nicht, gibt es einen Grund, die St.-Hedwigs-Kathedrale zu besuchen, und das ist der großartige Chor.

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