SONNTAGS um zehn : Keine Furcht vor Schwäche

Ein neuer Superintendent für Teltow-Zehlendorf.

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„Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“, sang die Sopranistin Barbara Kind gestern in der Zehlendorfer Paulus-Kirche. In einer festlichen Prozession zur Musik Johann Sebastian Bachs zogen die Mitglieder des Kreiskirchenrats und gut 20 Pfarrer im Talar in die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche ein. Selbst auf den Emporen hatten Menschen Platz genommen, um die erste Predigt des „Neuen“ zu hören: Denn der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf hat wieder einen Superintendenten: Der bisherige Pfarrer der Marienkirche am Alexanderplatz, Johannes Krug, wurde gestern in das Amt an der Spitze des 49 000 Gemeindeglieder in Berlin und im Umland zählenden Kirchenbezirks eingeführt.

„Sie werden einen Zukunftsauftrag im Traditionsunternehmen haben“, gab die stellvertretende Berliner Generalsuperintendentin Isolde Böhm Krug mit auf den Weg. Und sie erinnerte an das Wort des Apostel Paulus: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Besonnenheit.“ Das sei ein Wegweiser für alles kirchliche Leitungshandeln. „Das ist die Aufgabe und Chance eines Superintendenten: Wachsam dem Geist der Furcht nachjagen“, sagte Isolde Böhm. Denn in der Kirche entstehe viel Streit „nicht aus Widerwillen, sondern aus Angst und Verzagtheit.“

Dann wurde der ohnehin schon festliche Gottesdienst noch eine Spur feierlicher: Vor den um den Altar versammelten Mitarbeitern und Pfarrern kniete Johannes Krug nieder und ließ sich segnend die Hände auflegen. Seine Antrittspredigt wurde dann programmatisch: Auch Krug erinnerte an Paulus – aber vor allem an dessen Bekenntnis zur Schwäche des Menschen. „Kirchliche Orte sind Orte, wo wir Schwäche zeigen dürfen“, sagte Krug. „Es sind Orte, wo wir uns und die Gesellschaft daran erinnern, dass wir Achtung haben vor der Schwachheit der Menschen.“ Es seien Orte einer „verlässlichen Barmherzigkeit“, die Schwachen einen Platz in der Mitte der Gesellschaft böten.

Für sich selbst kündigte der Theologe an, nicht versuchen zu wollen, die eigenen Schwächen zu verbergen. „Paulus hat seine Schwächen mit ins Amt hineingenommen – darauf vertraue ich in einer Kirche, die Paulus im Namen trägt.“ Und Krug plädierte für ein „neues Gottvertrauen, das uns in den Alltag hineinnimmt“: „Ich möchte eine Kirche bauen, als Gemeinschaft von Menschen, die im Wissen um ihre Schwachheit aufmerksame Zeitgenossen sind.“ Bei den Gottesdienstbesuchern in der Paulus-Kirche kamen diese Worte an. Und noch lange nach dem Schlusssegen saßen und standen Teltower und Zehlendorfer beieinander, um den Amtsantritt des neuen Superintendenten mit Kaffee und belegten Brötchen zu feiern. Benjamin Lassiwe

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