SONNTAGS um zehn : Klammes Stroh und kuschelige Stimmung Feldgottesdienst beim

13. Buckower Strohballenfest

Der Herr meint es gut mit seinem Knecht Mette. Pünktlich zum Gottesdienstbeginn auf dem abgeernteten Acker des Landwirts am Buckower Damm strahlt endlich die Sonne. Die Strohballen vor der Altar-Bühne sind zwar klamm, aber die meisten der rund 300 Gottesdienstgänger kommen jedes Jahr zum ökumenischen Gottesdienst beim Buckower Strohballenfest und sind für alles ausgerüstet.

Schnell macht sich nach der ersten Sakropopschnulze und herzlicher Begrüßung die kuschelige Stimmung breit, die den Wohlfühlgottesdienst gleich nach der Weizenmaht auszeichnet. Gleich drei Kirchengemeinden tun sich dafür jeden Sommer zusammen: die evangelischen Gemeinden Alt- und Neu-Buckow und die Katholiken von Sankt Theresia. Geschmettert werden Kirchenliederhits wie „Geh aus, mein Herz“ und „Nun danket alle Gott“. Und zur Predigt blöken, wiehern, gackern Schafbock, Pony und Huhn, die samt Kindern und Karnickeln zu Füßen des Pfarrers lagern.

Prediger Erhard Wurst ist neu beim Strohballenfest und etwas skeptisch. Samstagabend sei ihm beim Rundgang angesichts der Bierbuden der Schreck in die Glieder gefahren: „Oh Gott, was soll ich denn da sagen?“ Aber dann kam ihm noch rechtzeitig die Erkenntnis, dass Gottes Wort zum wahren Leben samt Kinderkarrussell und Streichelzoo gehöre.

In der Predigt geht es darum, wie die Urkirchengemeinde und der Apostel Petrus in Jerusalem vor 2000 Jahren die Diakonie erfanden. Damals murrte die aus allen Nähten platzende Gemeinde über Versorgungslücken in ihrer Suppenküche. Da wählten die Apostel sieben Männer zu Diakonen und führten so in der christlichen Kirche die Arbeitsteilung zwischen geistlichem Amt und sozialer Aktion ein.

Die besten Ideen und erfolgreichsten Entscheidungen würden in Krisen geboren, resümiert Erhard Wurst vor der „lieben Strohballengemeinde“. Nicht von ungefähr hieße „Krisis“ auf Griechisch „Entscheidung“. Die, hier zu predigen, bereut der Pfarrer am Schluss, als Tauben in den blauen Himmel flattern, nicht: „Schön hier, bodenständig eben.“ gba

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