SONNTAGS um zehn : Mehr als ein Job

In St. Nikolai in Spandau wurden 18 Pfarrer ordiniert

Barbara Schneider

Zahlreiche Jobs hat Clemens Bloedhorn in seinem Leben schon gehabt: Im Kino hat er Popcorn und Cola verkauft. Sein Theologiestudium in Heidelberg hat er unterbrochen, um eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner zu machen. Im schwarzen Talar zieht der 44-Jährige nun an diesem Sonntag in die St.-Nikolai-Kirche in Spandau ein. Der gebürtige West-Berliner ist der älteste von insgesamt 18 Theologen und Gemeindepädagogen, die an diesem Sonntag in einem Festgottesdienst ordiniert und somit zum Dienst in der evangelischen Kirche beauftragt werden.

Zu dem Gottesdienst ist die Kirche, in der im Jahr 1539 Kurfürst Joachim II. die Reformation in Brandenburg eingeführt hat, bis auf den letzten Platz besetzt. Gekommen ist auch der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. „Es ist etwas wert, wenn ein Pfarrer bei einer Beerdigung vorangeht“, sagt er in seiner Predigt. „Es ist erleichternd, wenn das Pfarrhaus wieder bewohnt ist, weil eine Pfarrerin einzieht.“ Der Bischof verweist auf die vielfältigen Aufgaben, die vor den Männern und Frauen liegen: die Seelsorge, der Religionsunterricht, die Leitung einer Gemeinde.

„Ich will für die Menschen da sein, die in der Kirche nach Gott fragen und gemeinsam mit ihnen nach Antworten suchen“, beschreibt Clemens Bloedhorn seine Motivation. Der Theologe stammt aus einem christlichen Elternhaus, hat eine evangelische Schule besucht. Er fühle sich berufen, seine Erfahrungen mit Gott weiterzugeben, erklärt er.

Im Gottesdienst tritt Bloedhorn zusammen mit den anderen zukünftigen Pfarrern im Halbkreis vor den Altar: „Ihr werdet in der Ordination beauftragt, das Evangelium zu verkünden, zu taufen und die Feier des Abendmahls zu leiten“, sagt Bischof Dröge und fragt: „Wollt Ihr Euch im Vertrauen auf Gott in diesen Dienst berufen lassen?“ Die Frauen und Männer antworten: „Ja mit Gottes Hilfe.“ Schließlich treten sie in Vierergruppen nach vorne, knien nieder und werden vom Bischof gesegnet.

Nach diesem feierlichen Akt werden die frisch ordinierten Pfarrer selbst aktiv: Sie beten für die Opfer von Krieg und Gewalt, bitten Gott für das Leben jeder einzelnen Familie und danken für seine Schöpfung. Dann teilen sie das Abendmahl aus. Nach dem Gottesdienst wird auf dem Platz vor der Kirche gefeiert, ehe die Pfarrerinnen und Pfarrer zurück in ihre Gemeinden gehen – in die Kirchenkreise Tempelhof und Wilmersdorf, in die niederschlesische Oberlausitz oder wie Clemens Bloedhorn in seine Dorfkirchen im Kirchenkreis Beelitz-Treuenbrietzen. Barbara Schneider

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