SONNTAGS um zehn : Munter drauflos marschieren

Ein Gottesdienst in Friedenau im Zeichen des Jüngers Philippus.

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Weiß strahlt das Schiff der Philippus-Kirche an der Stierstraße in Friedenau, alles riecht frisch. Monatelang war das Gotteshaus wegen Einsturzgefahr geschlossen, sogar von Abriss war die Rede. Doch die Gemeinde gab nicht klein bei, veranstaltete Benefizkonzerte, sammelte Geld. Im Juni wurde die in den 1960er Jahren erbaute Kirche, deren bunte Fenster hinter dem Altar an die Gedächtniskirche erinnern, feierlich wiedereröffnet. So viel Engagement schweißt ganz offenbar zusammen: Selbst mitten im Sommer sind die Gottesdienste gut besucht.

So war es auch gestern, als die neue Schöneberger Superintendentin Birgit Klostermeier zum ersten Mal in der Philippus-Kirche predigte. „Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach...“ las sie aus der biblischen Apostelgeschichte. Philippus, einer der Jünger Jesu, ging auf der Straße von Jerusalem nach Gaza und traf dort einen Mann, einen Kämmerer der Königin von Äthiopien, der auf seinem Wagen das Buch des Propheten Jesaja las. Und um Hilfe zum Verstehen bat. „Der Kämmerer ist auf einem religiösen Weg“, sagte Klostermeier. „Er will etwas für Herz, Sinn, Verstand und Geist tun.“ Da stolpert er über den Text Jesajas, der von einem Schaf berichtet, das zur „Schlachtung geführt wird“, und dessen „Urteil in seiner Erniedrigung“ aufgehoben wurde. „Könnte es sei, dass da ich gemeint bin, mit meiner Erfahrung von Gewalt, von Gottesferne, von Ausgrenzung und Einsamkeit?“ fragte Klostermeier. In der Apostelgeschichte berichtete Philippus anschließend von Jesus. Er sprach von Gemeinschaft, vom Leben, „und Du, Mensch, gehörst zu dieser Gemeinschaft Gottes!“ so Klostermeier.

Die Superintendentin berichtete von zwei Begebenheiten, die fast genauso abliefen, wie das Gespräch auf der Straße nach Gaza: von einem Roman, der die Unterhaltung einer Mutter mit ihrem Sohn über eine Bibelstelle schilderte. Und von einem Gespräch, dass sie selbst mit angehenden Religionspädagogen führte, die sich noch gar nicht so sicher waren, wie sie antworten sollten, wenn es um Fragen des Glaubens geht. „Philippus kennzeichnet die Offenheit“, sagte Klostermeier. „Er lässt sich auf das Gespräch ein.“ Das gelte auch heute: „Wir können munter drauflos marschieren, und sehen, was kommt“, sagte sie. „Denn wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott selbst dann mit dabei ist.“ Benjamin Lassiwe

Informationen im Netz unter:

www.schoeneberg-evangelisch.de/

gemeinden/pn/index.shtml

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