SONNTAGS um zehn : Musik als Predigt

Zu Besuch beim Bläsergottesdienst in Weißensee.

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Vor der Friedenskirche in der Albertinenstraße in Weißensee lag Schnee. Zwei ehrenamtliche Helfer hielt die Kälte freilich nicht davon ab, am Sonntag mit ganzem Körpereinsatz für den Gottesdienst der Stephanus-Stiftung zu werben: Kraftvoll zogen sie an den Seilen und läuteten die vor der Kirche aufgestellten Glocken – und mit einem Lächeln wiesen sie dem Fremden den Weg in das Kirchlein.

Drinnen begrüßten warme Posaunenklänge die Gottesdienstbesucher. Die Orgel dagegen schwieg. Denn der Gottesdienst in der Friedenskirche war ein Bläsergottesdienst: Rund 3000 ehrenamtliche Posaunisten, Tubisten und Hornisten gibt es in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. In rund 240 Bläserchören spielen sie bei Gemeindefesten, Jubiläen, Adventsmusiken oder im Gottesdienst. Und auch auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, der im Juni 2011 in Dresden stattfand, traten hunderte Posaunenchöre auf. Auch die Bläser der Stephanus-Stiftung und der Kirchengemeinde Eggersdorf bei Strausberg waren damals nach Sachsen gefahren. Weswegen auch der gestrige, von beiden Posaunenchören gemeinsam gestaltete Gottesdienst unter dem Motto des Christentreffens „Da wird auch Dein Herz sein“ stand.

Doch statt eines Pfarrers im Talar predigte gestern die Musik. Nach jedem Choral, nach jedem Musikstück stand einer der Musiker auf, um eine Bibelstelle vorzulesen. Natürlich durfte eines der bekanntesten Kirchenlieder nicht fehlen, Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz, und suche Freud.“ Doch auch von der Sintflut war die Rede. Von Menschen, deren Herz mehr an irdischen Gütern als an Gott hängt. Und von Gott, der die Herzen der Menschen ansieht. Und am Ende ließ sich alles noch einmal in einem Kirchenlied zusammenfassen: „Wohl auf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut. Denn Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt Dein Gut.“ Benjamin Lassiwe

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