SONNTAGS um zehn : Netz der Freundschaft

Deutsch-chinesischer Gottesdienst in Wilmersdorf

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Ein Netz aus gelben Bändern spannte sich durch die Kirche am Hohenzollernplatz. Die Besucher des deutsch-chinesischen Familiengottesdienstes hatten es geknüpft, als sichtbares Zeichen der Freundschaft zwischen der deutschen Kirchengemeinde und den chinesischen Christen, die in dem als „Kraftwerk Gottes“ bekannten, zeitlos-modernen Wilmersdorfer Klinkerbau an jedem Sonntag Nachmittag in ihrer Muttersprache singen und beten. Gestern feierten alle gemeinsam: Junge, meist chinesische Familien bevölkerten die Kirchenbänke, hier und da einige in Würde ergraute Wilmersdorfer. Predigt und Liturgie der Pfarrerinnen Anja Siebert und Claudia Wüstenhagen wurden ins Chinesische übersetzt. Sehnsuchtsvolle Gebetslieder aus dem Reich der Mitte und kleine Theaterstücke der Kinder prägten den Gottesdienst.

Im Mittelpunkt aber stand jene Bibelstelle aus dem Markus-Evangelium, in der Jesus am See Genezareth seine ersten Jünger traf: Fischer, die ihre Netze flicken. Er forderte sie auf, mitzukommen, um „Menschenfischer“ zu werden, um Menschen für Gott zu gewinnen. Weswegen die Suche nach Gott auch im Zentrum der Predigt stand: „Durch Jesus erfahren wir von Gott, wie er ist, und wie er es mit uns meint“, sagte Anja Siebert. „Dass wir uns selbst vor dem Tod nicht fürchten müssen, weil Jesus ihn überwand.“ Als die Kinder der Gemeinde in einem Theaterstück gezeigt hatten, wie leicht Vertrauen verloren gehen kann, wies Claudia Wüstenhagen darauf hin, dass „Jesus anders ist“. Er habe mit Zöllnern und Sündern gegessen, „und die anderen standen da, und verachteten, was Jesus tat“. Denn bei Jesus gehe es um die Liebe zu den Menschen. Auch Christen liebten Gott und den Nächsten wie sich selbst, und trügen die Lasten des anderen, sagte Anja Siebert. „Wenn wir das auch andere Menschen fühlen lassen, und sie uns fragen, warum wir so anders sind – dann können auch heute noch Menschen durch uns zu Jesus kommen.“

Dann aber ging es darum, das Netz der Freundschaft zwischen den Gemeinden weiterzuknüpfen: Rund um die Kirche waren Tische und Stühle aufgebaut, und bei chinesischem Essen und einem großen Kuchenbuffet kamen die Mitglieder beider Gemeinden ins Gespräch. Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Internet: www.hohenzollerngemeinde.de

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